Allein zu zweit, niemals solo.

Dezember 30th, 2007

Natürlich ist es immer leicht zu sagen, dass man das ja schon immer gewusst hätte und es ja so kommen musste. Im Nachhinein. Man kann es sich also einfach machen und am Ende als strahlender Sieger auf dem Podest stehen. Oder man denkt sich seinen Teil, hält weiter die Schulter hin und bietet einen starken Rücken. Man darf von seiner besten Freundin nicht wollen, was die beste Freundin nur von ihrem Freund erwartete und nie bekommen hatte. Ich habe mich noch nie in meine beste Freundin verliebt, als es noch so etwas wie beste Freundinnen gab. Diese Kategorien spielen für mich heute keine Rolle mehr. Beste Freunde. Mein engeres Umfeld hat sich in den letzten Jahren so reduziert, dass ich ohne zu zögern die drei, vier, fünf Menschen, die sich darin befinden, als meine besten Freunde bezeichnen würde. Nur definiert sich beste, immer nur über die Abgrenzung, also über gut, oder schlecht, oder besser. Aber ich habe keine guten Freunde mehr. Das sind jetzt Bekannte. Und schlechte Freunde hatte ich noch nie, auch nicht aus der Sicht meiner Eltern. Ich hatte schon Frauen, in die ich verliebt war, die aber nur zur besten Freundin wurden. Damals. Es war die einzige Möglichkeit ihnen nahe zu sein, so nahe wie es nur geht, ohne den Eindruck zu erwecken, noch näher zu wollen. Das Problem an dieser Position ist, das man als bester Freund der besten Freundin, alles über den Freund der besten Freundin erfährt: Am Anfang naturgemäß in diesem Moment für mich die schlimmsten, weil für sie schönsten Momente mit ihm, aber im Verlauf der Beziehung, die mehr und mehr niederträchtigen Details des Alltags, die Langeweile des Beischlafs, die mangelnde Unterstützung in schwierigen Situationen und alles über seine dämliche Kumpels, die immer noch kiffen und bei denen er nur verblödet. Ich weiß alles über die Socken, die einzeln im Zimmer rumliegen, das zerknüllte T-Shirt, das sie gerade erst aus der Wäsche geholt und zusammen gelegt hatte, über die ganze Respektlosigkeit, die er ihr entgegen bringt und ihre Arbeit in der Wohnung nicht schätzt. Sie ist zuständig für den Nestbau und er hängt seinen Hintern nicht mal raus, wenn er kacken muss. Als Mann weiß ich natürlich, dass das eine sehr weibliche Sicht ihrerseits ist, aber als bester Freund meiner besten Freundin muss ich das immer scheiße finden und den Kerl verdammen. Wer punkten will, muss stürmen. Erst spät merkte ich immer, das dieses Spiel eine Sackgasse ist, nur zu deutlich durch Sätze, wie: „Mit dir wäre das alles viel einfacher, nur leider bin ich nicht in dich verliebt!“ gekennzeichnet und dennoch bin ich viel zu oft diese Einbahnstraße weiter gelaufen, weil immer noch Hoffnung besteht im Konjunktiv „wäre“. Beziehungen, die nur auf der Hoffnung beruhen, dass das alles irgendwann einmal etwas wird, wenn sich das und das nur ändert, sind zum scheitern verdammt. Dabei ist es völlig egal, ob man der beste Freund, der besten Freundin ist, solange man sich nicht mit dieser Situation zufrieden gibt, oder ob man selbst die eigene Beziehung betrachtet. Viel zu viel Kalkül und viel zu überlegt. Menschen verändern sich nicht allein in einer Beziehung, Menschen nähern sich an, oder bewegen sich voneinander weg. Wenn ein Partner den anderen aber verändern will, dann will er sich selbst meist am wenigsten bewegen. Ein nebenher ist kein miteinander.

Mathias Richel



25 Gründe für einen wesentlich älteren Mann

September 8th, 2007

1 …erzählt nicht so unfassbar viel Blödsinniges

2 nicht mehr lange!

3 begehrt er Dich, wie nie einer zuvor und weiß, dass sein Körper im Vergleich zu Deinem eigentlich schon vorbei ist

4 das weißt Du auch und kannst ihm das Gehirn rausreißen mit

5 Deinen Reizen.

6 Er weiß nicht, dass Du das weißt und
sitzt
tatsächlich
dem Irrglaube auf, Du seist die Unschuld und überhaupt seine einzige

7 Rettung, erstmal

8 fühlst Du danach in seinen Armen die ganze Liebe, die Dein blöder Vater Dir nie gegeben hat.

9 Er will aber nicht Dein Vater sein und betrinkt sich mit Dir

trotzdem

10 denn eigentlich will er es doch.

11 Niemals wirst Du darüber nachdenken,

12 wer den teuren Wein, von dem Du keine Ahnung hast,  bezahlt, denn

13 er macht das

14 und glaubt, es sei Dir wirklich unangenehm

15  – er findet das süß –

16 ist es (Dir) aber nicht, denn: wer soll es denn sonst bezahlen.
Und das ist

17 Harmonie

18 …

19 also — warum nicht auch mal unter der Woche zu ihm gehen,

20 Montag oder Dienstag … und Mittwoch! …

21 Sonntags macht ihr einen Ausflug an den See.

22 “Cremst Du mir den Rücken ein?”
“Ja, dreh’ Dich um” sagst Du. Und entdeckst dabei

23 drei Altersflecken.
Iii!
Sein Gehirn ist inzwischen auch wieder an der richtigen Stelle – auf das Konzert heute Abend gehst Du
Allein.

24 Er wollte sowieso mit Freunden ins Kino.

25 Gut so. Denn da ist ist wieder einer, der…

Laura



angst.

September 1st, 2007

es haben sich getroffen zwei kompromisslose um auf sparflamme an ihrer übereinkunft zu köcheln. bitte verstehen sie, es war so nicht von anfang an gedacht. die flamme war hell und gesund, aber eben auch zart und leicht zu stören. es passierte beim kaffee kochen, vielleicht schon beim ersten. beim kaffee umrühren kam dann die angst vorm alleine sein zu zweit und der möglichkeit irgendwann mal könnte das einzig mögliche geräusch das seitenumschlagen der zeitung und das räuspern danach sein. die angst beider vor dieser angst war groß und es wusste keiner so recht, was er sagen soll, also blieb man erst mal sitzen, harrte aus und besann sich der angst vorm alleine sein. beide schlange und kaninchen zugleich saßen am tisch, guckten ängstlich und äußerten sich: “lass nur, ich mach schon und das finde ich auch”. und so wollten beide abwechselnd beim aus höflichkeit zucker holen für den anderen in der küche sieben mal das gegenteil in die wand meißeln. mit angst im gesicht bot man danach dem anderen vorsichtig lächelnd das geholte an und füchtete den prüfenden blick und die gewissheit, der andere sieht die angst und bekommt es mit der angst zu tun. so hat man also eine weile angst zusammen und arbeitet sich zum ende vor. und dann steht man da, den bitteren nachgeschmack vom letzten schluck des zusammen gekochten kaffees als pelz auf der zunge, angezogen schon, macht den obersten knopf der jacke wieder zu, nimmt den regenschirm, geht vor die tür, und ist endlich wieder allein alleine. man hatte es ja die ganze zeit schon befürchtet.

Laura



Ohrwürmer und andere Schädlinge

Juni 6th, 2007

Ich trage Kontaktlinsen. Den ganzen Tag. Erst abends, wenn ich schon im Bett liege, nehme ich sie raus. Dann ist es meist schon dunkel und nur der Schein meiner Nachttischlampe leuchtet meinen Fingern ihren Weg.
Neulich Abend, als ich gerade die linke Linse entfernt hatte, glitzerte es im rechten Augenwinkel silbern vom Boden herauf.
Weiterlesen »

Nordvest



Sie ist nur Augen

Mai 21st, 2007

Im kleinen Park gegenüber meines Hauses sitzen sie auf einer Bank und küssen einander. Der junge Mann lehnt sich ihr stürmisch 45 Grad entgegen, während sie annehmend zurück weicht. Sie sitzen zum See gewandt, abgewandt von meinem Weg. Er ist nur Hinterkopf, sie nur Augen. Groß und blau. Sie sieht mich und unterbricht ihre Handlung nicht. Dann schlägt sie die Augen nieder, ich lächle, sie schaut auf und nieder und entwindet sich ihm. “Nicht”, höre ich sie sagen, als ich passiere und lächelnd dem Sommer entgegen laufe.

Bandini



80/20 und der lange Schwanz

Mai 6th, 2007

Als ich sie zur Tür herein kommen höre, knülle ich die Chipstüte zusammen und werfe sie hinter das Sofa. Dann steht sie auch schon in der Tür und wirft ihre Sporttasche vor den Kamin.

“Hallo Schatz”, sage ich zu ihr, küsse sie auf die Wange und schon liegt sie neben mir auf dem Sofa und legt die Füße hoch. “Na, kaputt, war’s schön?”
“Mega-anstrengend, Bauch, Beine, Po, ich kann weder sitzen noch stehen. Und mein Bauch tut weh.”
Sie schafft sich wieder hoch und läuft zum Kühlschrank rüber.
“Na, wenigstens ist es für was gut”, rufe ich ihr hinterher und überlege, ob sie das wohl falsch verstehen könnte. Aber sie hört mich nicht und kehrt mit einem Tetrapak Multivitaminsaft zurück.

“Mensch, Bandini, Du wolltest doch aufräumen!”
Weiterlesen »

Bandini



Die Motivation einer weitgehenden Beziehung.

April 20th, 2007

Manchmal passen emotionale Querverbindungen nicht in die gängigen Beziehungsstrukturen wie sie von Kindesbeinen an, an die wissbegierigen Hoffnungen der Demoskopen herangetragen werden. „Moni mag Stefan“, sagt „Meine Fibel“ in der ersten Schulklasse. „Moni liebt Stefan“, sagt das Biologiebuch der sechsten Klasse. „Moni liebt Stefan sehr sehr“, zeigt die Bravo in der Siebten. In der Achten läuft als Handyabo „Moni nimmt Stefan hart“. Nach der Schule zeigt Geissen „Moni liebt Stefan und Thorsten und Silvia“. Im Annoncenteil steht später „Moni heiratet Stefan“. Auf dem Küchentisch irgendwann „Tschüss, Stefan“ und auf den Scheidungsunterlagen „Moni trennt sich von Stefan“. Auf dem Grabstein dann „Moni“ plus irgendein Nachname, den weder Moni noch Stefan bis dato auf dem Schirm hatten. Völlig normal. Passiert täglich. Mit wechselnden Namen und Geschlechtern, aber wer mit wem, das wie und wann – da gibt es immer einen Kausalzusammenhang.

Weiterlesen »

Mathias Richel



It´s all about Gefühle.

März 7th, 2007

Da sitzt du fast 1 1/2 Stunden mit einer Flasche Bier auf dem Helmholtzplatz, zu vielen Zigaretten und versuchst ein wenig von der Feierabendsonne abzubekommen, während sich deine Gedanken nur um die eine Frau drehen. Dann entscheidest du dich zu gehen und plötzlich läuft sie genau vor dir.

Und dann musst du reden.

Weiterlesen »

Mathias Richel



Rhythmusstörung.

Februar 9th, 2007

Guten Tag. Mein Herz ist kaputt. Es ist auf einmal stehen geblieben. Dabei habe ich es doch die letzten Jahre gar nicht mehr benutzt. Ist die Garantie vielleicht abgelaufen? Der Beipackzettel ist mir leider am Anfang in Flammen aufgegangen. Zuerst dachte ich, es wäre nur eingerostet. Ich habe es mit Alkohol gesäubert, aber das half nichts. Natürlich lief es nie auf Stand-by. Sie wissen schon, wegen des Klimawandels. Ich habe mir zwar oft überlegt ob es sich lohnt, es kurz noch einzuschalten. Aber dann habe ich mich meist entschlossen, gleich ins Bett zu gehen. Keine unnötige Energieverschwendung. Kann man denn da noch etwas machen? Eine Kur, vielleicht eine Therapie? Die Symptome? Nun ja, zuerst ist das Herz nur immer schwerer geworden. Ist ja auch normal, bei zu wenig Bewegung. Aber es war eh nie eins von der sportlichen Sorte. Ist schon nach ein paar Luftsprüngen immer halb zerbrochen. Kurz nachdem ich endlich die Gebrauchsanweisung komplett verstand, hab ich das Herz bei Freunden im Garten verloren. Gott sei Dank hat es ein gutaussehender junger Mann mir nach ein paar Wochen wiedergebracht. Es war allerdings ein bisschen ramponiert. Danach hab ich es lieber gleich zuhause gelassen. Ich wollte nicht, dass es noch mehr Risse bekommt. Und jetzt, da ist es stehen geblieben. Einfach so. Dabei habe ich es doch gar nicht mehr benutzt.

Kiza



Statistik