Wabern

Februar 28th, 2007

Lange Zeit träumte ich davon, eine Geschichte zu schreiben, in dem das Wort „wabern“ vorkommt. So etwas über verrauchte, nebelige Luft in einem Club, wo Wasser von der Decke tropft, die Mädchen würden schwitzen und sich Strähnen aus dem Gesicht streichen und die Jungs hätten muskulöse Oberarme. Der DJ würde sich feiern lassen wie Sven Väth damals im Omen, alle würden mit Händen und Füßen wackeln und die Beats magenerschütternd pochen. Ich würde popkulturell über Technobeats reden und über dieses süßliche Rauch-Nebel-Gemisch, das die Protagonisten umgäbe. In dem Satz käme dann „wabern“ vor: „Schwere, schwangere Luft wabert durch den Raum und Strobo-Blitze zacken durch die Club-Atmo.“ So was halt.

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Bandini



alt, aber: “Kalter Sommer”

Februar 27th, 2007

Der Sommer war so kalt, dass Herr K. sich fragte, ob Gott gestorben sei. Hunde heulten am Tag, und ein zäher, aber fahriger Wind schlug Regen in Gesichter, an Verbotsschilder und auf Hände, die Schirme umgriffen wie Waffen. Zum dritten Mal holte Herr K. die Winterjacke, die er an milderen Tagen im Schrank verstaut hatte, wieder hinaus.

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Xochil



Heuschrecke

Februar 24th, 2007

Ich wachte auf und mein ganzes Atmungssystem, ja vielleicht sogar all meine Organe waren in eine Heuschrecke ausgelagert. Eine Reihe von Kabeln verband mich mit ihr. Sie war groß für eine Heuschrecke und klein für jemanden, der an meiner Stelle atmen sollte.
Sog ich Luft ein, hob sich ihr verhältnismäßig kleiner Brustkorb.
Lange würde das nicht gut gehen können. Wie lang lebt schon so eine Heuschrecke? Ich blätterte in meinem Neocortex. Vielleicht ein, zwei Jahre, es würde schwer werden sie durch den Winter zu bekommen. Ich musste einen Arzt finden, eine neue Lunge.
Ich trat auf die Straße, setzte mich in mein Auto. Das Kabel verhedderte sich in der Tür.
Und dann fuhr dieser Idiot in seinem seltsam getunten Auto meine Heuschrecke platt. Blutige Reste klebten an ihrem Ende des Kabels und mein Atem hörte auf.
Ich schnappte nach Luft, aber der befriedigende Sauerstoff erreichte mich nicht mehr.

Malte Welding



maldoror_vol03

Februar 23rd, 2007

Wie erscheint man am Geschicktesten im Sozialamt? Jedenfalls nicht mit Hut. Ich verstaue das Ding im Rucksack. Zwei Stunden Aufnahmeprüfung in Zone 3, dann Beförderung in den zweiten Stock, Team 647 wird Sie freundlich begrüßen, Zimmer 216. An der Tür steht mein neuer Dienstgrad, »Barauszahlungen für Notfälle«, ich bin stolz auf meinen dramatischen Aufstieg. Was ist schon ein Sozialfall gegen einen Notfall? Weiterlesen »

Leowee



Demoaufruf “Solidarität mit allen Gefangenen der Kryptik!”

Februar 23rd, 2007

Hirnsport von Gerapothneskop, drüben im Nachbarbuch “Deine Bodenstaendigkeit”.

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Mitmachen? Drüben anmelden!

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Mathias Richel



Ich will wieder sechs sein,

Februar 22nd, 2007

will wieder die Welt entdecken mit Blumenflecken auf meinem Kleid, das viel zu dünn ist für die frühe Frühlingsluft im März… will in Gummistiefeln über Feldstoppeln hoppeln und vor Lachen in die Knie gehen, weil ich mich wie ein Hase fühle, der noch lange nicht abgeschlachtet wird, nur mein Knie ist aufgeschlagen, aber das macht gar nichts, weil ich bin mutig und wild und ungestüm und niemand kann mich Wirbel bremsen, wie niemand den Wind einfangen kann. Danach bin ich bettlägrig , aber glücklich. Will wieder sechs sein und an meinem Geburtstag von meinem Vater lernen, wie man aus Gänseblümchen Kränze flechtet, nicht, wie man sich fühlt, wenn ein Mann einen verlässt und nur noch als Gespenst Dein Leben betrachtet, wie Du Dich betrachtest, mit sechs: allein vor dem Spiegel in Mamas hohen Schuhen, weil Du nicht warten kannst… nicht warten kannst… nicht warten kannst… dass Du erwachsen bist, endlich erwachsen. Mit einer Unterschrift, keiner Kinderschrift, und einem Mann, nicht nur verflüchtigter Vaterfigur. Niemand erzählt Dir von den Herzbrüchen und Anstrengungen und dem Fallen, das keine wunden Knie, nur eine wunde Seele schürft, und alles Aufrappeln und keiner spricht davon, dass Du nie wieder so glücklich sein wirst wie jetzt mit sechs, weil Du zu jung dafür bist. Dafür lesen sie Dir Märchen vor, die Dich Dein Leben lang verfolgen und Deinen Blick schärfen wie ein Schafott für den Prinzen, der immer nur in Froschgestalt angehoppelt kommt, und Du wirst vergessen, dass er nicht durch den Kuss, sondern durch das Platschen an die Wand erlöst wurde und wirst Dich fragen: wer erlöst Dich? Draußen der Wind und Dein Baumhaus, mit sechs, und Dein imaginärer Freund, mit dem Du immer reden kannst, wenn niemand da ist oder keiner Dir zuhört. Oder die Fingerspitzen Deiner Oma, die Dir beim Fernsehen den Nacken krault, wie es nie wieder jemand tun wird. Oder ein Bienchen. Oder ein Eis am Stiel. Oder nur einmal schneller rennen als der schnellste Läufer der Klasse, den Du überrundest, als ihr Euch nur warm lauft…

Ein Bekannter meiner Mutter meinte mal: Wenn Du es richtig anstellst, ist einmal Kindheit genug…

Ich hab da wohl was falsch gemacht.

Peh



Morgens

Februar 21st, 2007

Es wird hell und ich kann kaum mehr klar sehen. Meine Unterhose hängt raus, die Schminke ist verschmiert und meine Füße sind schwarz vom Disko-Schmutz. Ich rauche eine Zigarette nach der anderen, meine Augen brennen, mir ist alles egal. Die Uhrzeit, wie ich nachhause komme, und wo ich bin, ich weiß es nicht.
Nichts mehr zu trinken. Ich stehe auf, schiebe mich an den Anderen vorbei und suche nach einem Glas, in dem noch was drin ist.
Irgendein Typ spricht mich an. Ich finde ihn nach dem ersten Satz langweilig und lasse mich einladen. Wir unterhalten uns kurz, weil er bezahlt hat. Daniel ist, Projektmanager, seit zwei Jahren in der Stadt und findet die Musik war letzten Donnerstag besser als heute. Ich gehe.

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Laura



(Kavka)eske Nachbarschaftshilfe.

Februar 21st, 2007

Absolutes Novum und wird nicht so schnell wieder passieren, aber ein Hinweis von draussen.

Markus Kavka hat ein Buch geschrieben.

Und der gehört gefühlt zur Familie.

Mehr dazu auf .

Mathias Richel



Mein ABC im Februar

Februar 21st, 2007

Ich brauche ein A so wie Arbeit, wie Auswandern, so wie Australien, wie Ahnung, wie Aber. Manchmal brauch ich ‘ne Abreibung, nicht zu verwechseln mit Abtreibung, die brauch ich nie mehr, hoffe ich sehr - mehr als alles andere.

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Xochil



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