exklusivität

Oktober 26th, 2007

“Ich möchte Exklusivität”, sagt sie. “Ich möchte nicht betrogen werden.”

Sie sagt zweimal “ich” und wir stehen Hand in Hand dort, wo eine große, glänzende Straße beginnt, die irgendwo verheißungsvoll mit dem Horizont verschmilzt.

Und ich sehe sie an, sehe auf die Straße und frage mich, ob ich in ihrem “ich” noch vorkommen werde, sobald wir den ersten Schritt getan haben auf dieser Straße.

Denn trotz und vielleicht auch wegen ihrer sinnlichen Augen weiß ich, dass ich! alleine wohl sicherer gehen würde. Ihren Gang, ihre Schritte kenne ich nicht.

Und daher höre ich nur ihr “ich”.

Cicogna



Nackt

September 7th, 2007

Schlaftrunken schäle ich mich aus dem großen weißen Bett. Es ist totenstill. Glücklich still in diesem Hotel. Ich kann über die Dächer der fremden Stadt sehen. Bis zum Hafen. Und über dem ganzen hängt ein bleigrauer Himmel, als hätte jemand meine Stimmung übers Land gebreitet. Ich fühle mich wohl in diesem Himmel, den Regenfetzen, die dazwischen hängen. Ich stehe kaum auf meinen Beinen, mit einem halbklaren Gedanken und kokettiere schon mit meinem Leiden.
Da ist natürlich zuerst der Gin, der noch in meinen Adern schwimmt. Generös eingeflösst vom Bartender meines Vertrauens in dieser Stadt. Mit hohen Volumenprozenten, jeder Schluck eine mondäne Geste. Das rede ich mir zumindest ein, als ich meine roten Augen im Spiegel mustere. Und mit dem Blick in meine Augen kommt auch schon die Erinnerung an das Gesicht, das ich jetzt gerne sehen würde. Und nicht kann.

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Cicogna



namenstag

September 3rd, 2007

Wir nähern uns der Tür. Meine Hand leicht an ihrem Rücken. Ihn im Schlepptau. Er ist nett, aber jung und zu durchmischt im Kopf. Und in der Kleidung. Ich habe mir kurz überlegt, ob er mit soll. Aber wieso nicht? Er ist ein Freund von ihr. Lass es das Schicksal machen.

Denn ich kenne derzeit niemanden mehr an der Tür. Hasse es, anzurufen wegen Listungen „plus 1“. Aber lass uns einfach sehen. Die wichtigen Namen habe ich ja zum Fallenlassen.

Und da ist die Schlange vor der Tür. Ungeordnet, denn hier versteht jeder sofort, dass es keinen Automatismus gibt. Man steht und wartet auf Augenkontakt.

Ich ziehe sie sanft am Ellenbogen zu mir, rücke vor in den Raum. Den Mantel hat sie sich wohl geliehen, denn sie hatte Sommer erwartet bei mir. Er ist leicht zu groß, aber sie hat es geschickt kaschiert mit dem Seidentuch, über das lang ihre Haare fallen. Sie wirkt wie aus einem Bild. Schwarzweiß und etwas zu bohemien für ihr Alter. Großartig. Und wir scheinen zusammen. Lassen die anderen zurück, die die Schultern durchdrücken, um sich cool zu verkrampfen.

Und das sehen auch die, die es sollen, und nehmen uns auf. Auch ihn, den wir mitziehen, obwohl er hier nicht schwimmen kann. Ich sage, dass er zu uns gehört. Ruhig. Riskiere es. Und es wirkt.

Und dann sind wir innen. Werden aufgesaugt und es wird wärmer, denn ich kenne Leute. Werde begrüßt und öffne uns Wege. Und sie ist hinter mir, strahlt mich an und will meine Nähe. Die Beats hüllen uns ein und wir beginnen zu tanzen. Der Rest, die Verstrahlten, die zu sehr gestylten, zu tätowierten Typen, die zu dünnen kalten Models am Rande der Tanzfläche - sie alle verschwinden.

Wir vergessen sie. Es wird ein perfekter Abend werden. Ich werde ihn perfekt machen für sie. Ich flüstere ihr etwas ins Ohr, das sie strahlen läßt. Sie legt ihre Arme um meinen Nacken und drückt sich schwingend an mich. Liegt in meinen Augen. Wodkaselig.
Heute ist ihr Tag. Ihr Namenstag.

Cicogna



moment

August 26th, 2007

Du bist der Moment. Ich sehe Dich an und bin glücklich wie ein Kind. Dich Moment.

Seit Wochen sehen wir uns ständig. Unheimlich ständig für einen wie mich, der sein Alleinsein wie eine Waffe bei sich trägt. Konsequent und lächerlich stolz.

Wir tanzen miteinander. Oft. Und ich habe noch nicht einmal Deinen Körper gespürt. Stattdessen hat mein Kopf ständig versucht, Dich festzumachen in der Zeit. Und verzweifelte, weil ich sie an Dir abprallen sah.

Der Typ, der mit Dir tanzen wollte, und dem Du Dich entwunden hast, um Dich an meinem Arm fortziehen zu lassen. Du hast ihn schon vergessen. Das Taxi, das uns hierher brachte, wo wir sitzen. Du hast es vergessen. Du strahlst mich an mit Deinen großen Augen, atmest den Rauch in die Nacht und bist bei mir.

Du trinkst die Zeit als wäre sie eine Mutter, die sich Dir täglich gibt. Löffelweise. Ohne Dein Zutun. Uns trennen 10 Jahre und ich habe das Gefühl, gerade soviel zu lernen von Dir.

Ich werde versuchen, Dir genau das zu sagen. Aber Du wirst es wohl nicht verstehen. Du siehst die Dinge anders. Glücklich anders. Du bist der Moment.

Cicogna



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