Juni 25th, 2007
Immer macht der Junge das. Das Mädchen lässt ja sogar ihre Arme hängen. Manchmal würde sie ihn gerne wegstoßen, aber soweit geht sie nicht. Sollte sie vielleicht, denn er legt nicht nur seine Hand auf ihr Schulter, sondern er zieht sie an sich. Egal wo, auf dem Weg durch die Fußgängerzone, im Café, auf seinem Zimmer sowieso und auch jetzt, im Biergarten.
Dabei sitzt seine Mutter sogar gegenüber.
Vielleicht gerade deshalb. “Seht her, sie gehört mir.” Und jetzt kann sie sich noch weniger wehren. Jetzt wäre sie vielleicht sogar froh, wenn sein Hand nur auf ihrer Schulter läge und nicht ihren Rücken hinabwanderte bis zu ihrer Hüfte. Er tastet nach dem Streifen nackter Haut, gleitet mit dem Daumen unter ihr T-Shirt, mit seinem kleinen Finger in den Bund ihrer Hose.
Die Mutter sagt: “Es ist so schön, euch so zu sehen.”
Das Mädchen greift zum Maßkrug und trinkt und trinkt. Der Junge schiebt ihr T-Shirt nach oben, seine ganze Hand liegt jetzt auf nackter Haut. Das Mädchen ist sicher, der Mann hinter ihnen starrt sie an. Sie lässt den Krug auf den Tisch zurück fallen. Das Geschirr scheppert. Sie sagt: “Nein.”
Jürgen Albertsen
Juni 22nd, 2007
Jeden Sommer kommt es wieder um die Ecke, als hätt’s direkt dahinter gestanden und gewartet. Jeden Sommer.
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Nordvest
Juni 21st, 2007
Verband früher Hölzer miteinander, dann verschiedene Flüssigkeiten und
neuerdings versucht er selbiges auch mit Worten. Diese halten noch
nicht immer zusammen, aber es wird.
Mathias Richel
Juni 15th, 2007
Ich habe mir In-Ear-Kopfhörer gekauft. Ich sperre mich aus. Wenn ich laufe, höre ich weder die Stadt, noch meine Ideen. Ich höre nur noch den Text. Von der Agentur fahre ich fünf S-Bahn Stationen nach Hause. 20 Minuten. Fünf Kilometer Luftweg, von der einen Insel zur anderen. Zwischendrin nur diese fünf Stationen. Normalerweise. Manchmal und immer öfter laufe ich jetzt diesen Weg. Von Kreuzberg, über Prenzlberg, nach Mitte. 45 Minuten. Nur für den Text. Und alles andere hat Feierabend. Dann freue ich mich über den langen Seeweg zur Insel.
Jetzt wo sich Arbeit und Hobby, Spaß am Beruf und Identifikation miteinander vermischen, es keine Trennlinien mehr gibt, dass alles ist, was mich ausmacht und ausfüllt, was mich befriedigt, dann wenn meine Freunde und mein Umfeld genauso fühlen und denken, werden Wege wichtiger.
Dann bin ich sogar vor mir selbst allein. Und verdammt, es geht mir gut dabei.
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Mathias Richel
Juni 10th, 2007
Sie sitzen an einem Cafétisch und reden ganz vertieft über Männer. Was der junge Kerl neulich am Kopierer sagte und wie die Nacht mit dem früheren Schulkameraden war. Nach fünfzehn Jahren war es eine Versuchung, ihn mal auszuprobieren und er hatte sicherlich in den fünfzehn Jahren nichts dazu gelernt. Astrid nennt den jungen Kerl ausdauernd, kann es aber nicht in Minuten beziffern. Renée würde gerne noch mehr erzählen, aber außer von dem auf der IAA wieder getroffenen Schulkameraden gibt es seit ihrem letzten Frauenabend nichts zu berichten.
Ein Mann tritt an den Tisch und die beiden schauen auf. Renée will ihn wegwinken, sie nimmt an, dass er Sternenbilder verkaufen oder die Zeitung von morgen verkaufen will. Jetzt geht es um Männergeschichten, er soll wegbleiben. Der Mann legt einen kleinen Zettel vor sie auf den Tisch und ein kleineres Herz aus blauem Plastik darauf. Astrid und Renée sehen sich peinlich berührt an. Renée schämt sich, dass sie ihn wegschicken wollte, dass sie rüde sein wollte und unhöflich. Ein Taubstummer, sie wollen nicht mehr zugeben, dass sie sich gestört fühlten.
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Bandini
Juni 6th, 2007
Ich trage Kontaktlinsen. Den ganzen Tag. Erst abends, wenn ich schon im Bett liege, nehme ich sie raus. Dann ist es meist schon dunkel und nur der Schein meiner Nachttischlampe leuchtet meinen Fingern ihren Weg.
Neulich Abend, als ich gerade die linke Linse entfernt hatte, glitzerte es im rechten Augenwinkel silbern vom Boden herauf.
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Nordvest
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