exklusivität

Oktober 26th, 2007

“Ich möchte Exklusivität”, sagt sie. “Ich möchte nicht betrogen werden.”

Sie sagt zweimal “ich” und wir stehen Hand in Hand dort, wo eine große, glänzende Straße beginnt, die irgendwo verheißungsvoll mit dem Horizont verschmilzt.

Und ich sehe sie an, sehe auf die Straße und frage mich, ob ich in ihrem “ich” noch vorkommen werde, sobald wir den ersten Schritt getan haben auf dieser Straße.

Denn trotz und vielleicht auch wegen ihrer sinnlichen Augen weiß ich, dass ich! alleine wohl sicherer gehen würde. Ihren Gang, ihre Schritte kenne ich nicht.

Und daher höre ich nur ihr “ich”.

Cicogna



moment

August 26th, 2007

Du bist der Moment. Ich sehe Dich an und bin glücklich wie ein Kind. Dich Moment.

Seit Wochen sehen wir uns ständig. Unheimlich ständig für einen wie mich, der sein Alleinsein wie eine Waffe bei sich trägt. Konsequent und lächerlich stolz.

Wir tanzen miteinander. Oft. Und ich habe noch nicht einmal Deinen Körper gespürt. Stattdessen hat mein Kopf ständig versucht, Dich festzumachen in der Zeit. Und verzweifelte, weil ich sie an Dir abprallen sah.

Der Typ, der mit Dir tanzen wollte, und dem Du Dich entwunden hast, um Dich an meinem Arm fortziehen zu lassen. Du hast ihn schon vergessen. Das Taxi, das uns hierher brachte, wo wir sitzen. Du hast es vergessen. Du strahlst mich an mit Deinen großen Augen, atmest den Rauch in die Nacht und bist bei mir.

Du trinkst die Zeit als wäre sie eine Mutter, die sich Dir täglich gibt. Löffelweise. Ohne Dein Zutun. Uns trennen 10 Jahre und ich habe das Gefühl, gerade soviel zu lernen von Dir.

Ich werde versuchen, Dir genau das zu sagen. Aber Du wirst es wohl nicht verstehen. Du siehst die Dinge anders. Glücklich anders. Du bist der Moment.

Cicogna



qed.

August 20th, 2007

Sie hatte Augen wie Ringo Starr. Und sie roch nach Knoblauch. Ich mochte das nicht. Beides.
Aber sie trank mit mir. Tequila und Bier. Im Wechsel. Weiterlesen »

Nordvest



Überall, nur nicht hier.

Juni 22nd, 2007

Jeden Sommer kommt es wieder um die Ecke, als hätt’s direkt dahinter gestanden und gewartet. Jeden Sommer.
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Nordvest



Wie ich mal einen Mord beging

Mai 27th, 2007

Als ich da saß und fragte
Ob ich, wenn ich zu einer bestimmten Zeit
An einem bestimmten Ort gewesen wäre
Eine fremde Hand in ihrem Haar gefunden hätte,
da schwieg sie nur und weinte.

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Paul Hofmann



Kontrollverlust Mash-Up | Phase drei.

Oktober 30th, 2006

Robert zieht die Schreibtischschublade auf und schaut auf Julias geschriebene Bücher. Der Drehstuhl mit der bordeaux-farbenden Polsterung hat sich schon längst durchgesessen und unter seinen Arschbacken spürt er die Hartplastik. Möbel-Hübner, 69,- €, „Chefsessel Manhattan“ – ein erfüllter Wunsch zur Kommunion. Eine zeitlang ist Robert mit Aktenkoffer zur Schule gegangen, um erwachsener zu wirken. Mit richtiger Zahlenkombination und Stiftehaltevorrichtung im Deckel. Sein Vater war als ranghöchster Polizist im Dorf auch gewählter Unterbezirksvorsitzender der SPD in der Gemeinde. Lange bevor die Sozialdemokraten „uns verraten“ hätten, wie der Vater immer zu schimpfen pflegte.

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Mathias Richel



Kontrollverlust Mash-Up | Phase zwei.

Oktober 21st, 2006

Julia steht an der Kasse. Die Frau in der Kassierbox schiebt nacheinander die Sachen rüber. Grundnahrungsmittel, denkt Julia bei sich. Irgendwie kauft sie keine Lust-Produkte mehr. Keine Schokolade, oder Gummibären. Keine Schokoschaumküsse, kein Kuchen. Die zahlreichen Molkereiprodukte tragen keine Sahnehaube, sondern sind einfach Erdbeerjoghurt, oder Natur pur mild. Die Flasche „Le Filou“, die ist immer dabei. Sie öffnet ihr kleines Lederportmonee und Robert lacht sie an. Sie beiden lachen sie an. Dieses kleine Schwarzweiß-Foto aus dem Zwei-Euro Automaten auf der Kastanienallee. „Verdammt, ich habe die Leberwurst vergessen!“ schimpft sie halblaut in sich hinein, aber gerade noch verständlich für die Kassiererin. Die hält kurz inne und schaut fragend in Julias Gesicht. „Nicht so schlimm.“ sagt Julia und packt etwas schneller, weil verlegen, das schon Gescannte in den Plastikbeutel.

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Mathias Richel



Kontrollverlust Mash-Up | Phase eins.

Oktober 11th, 2006

Robert blättert in dem Buch, ohne es zu lesen. Din A4, Herlitz. Ein Schimpansenpärchen feixt ihn frech vom Hochglanz gedrucktem Hardcover an. Ein Mädchenbuch. Seines Mädchens Buch. Der Strichcode sagt vierneunzig und meint noch D-Mark. Diese 90-seitige Klebebindung ist ein kitschiges Frauending – ein Tagebuch. Er brauchte so etwas nie. Keine Schimpansen, keine Pferde, keine Poesiealben, keine Freundschaftsarmbänder. Das sind Frauenrituale. Mädchenreflexionen. In einer Liga mit Pyjamapartys, Ferrero Küsschen und Ki-Ba. Das haben nur Frauen. Solche Frauen, wie Julia eben.

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Mathias Richel



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