Ich will wieder sechs sein,

Februar 22nd, 2007

will wieder die Welt entdecken mit Blumenflecken auf meinem Kleid, das viel zu dünn ist für die frühe Frühlingsluft im März… will in Gummistiefeln über Feldstoppeln hoppeln und vor Lachen in die Knie gehen, weil ich mich wie ein Hase fühle, der noch lange nicht abgeschlachtet wird, nur mein Knie ist aufgeschlagen, aber das macht gar nichts, weil ich bin mutig und wild und ungestüm und niemand kann mich Wirbel bremsen, wie niemand den Wind einfangen kann. Danach bin ich bettlägrig , aber glücklich. Will wieder sechs sein und an meinem Geburtstag von meinem Vater lernen, wie man aus Gänseblümchen Kränze flechtet, nicht, wie man sich fühlt, wenn ein Mann einen verlässt und nur noch als Gespenst Dein Leben betrachtet, wie Du Dich betrachtest, mit sechs: allein vor dem Spiegel in Mamas hohen Schuhen, weil Du nicht warten kannst… nicht warten kannst… nicht warten kannst… dass Du erwachsen bist, endlich erwachsen. Mit einer Unterschrift, keiner Kinderschrift, und einem Mann, nicht nur verflüchtigter Vaterfigur. Niemand erzählt Dir von den Herzbrüchen und Anstrengungen und dem Fallen, das keine wunden Knie, nur eine wunde Seele schürft, und alles Aufrappeln und keiner spricht davon, dass Du nie wieder so glücklich sein wirst wie jetzt mit sechs, weil Du zu jung dafür bist. Dafür lesen sie Dir Märchen vor, die Dich Dein Leben lang verfolgen und Deinen Blick schärfen wie ein Schafott für den Prinzen, der immer nur in Froschgestalt angehoppelt kommt, und Du wirst vergessen, dass er nicht durch den Kuss, sondern durch das Platschen an die Wand erlöst wurde und wirst Dich fragen: wer erlöst Dich? Draußen der Wind und Dein Baumhaus, mit sechs, und Dein imaginärer Freund, mit dem Du immer reden kannst, wenn niemand da ist oder keiner Dir zuhört. Oder die Fingerspitzen Deiner Oma, die Dir beim Fernsehen den Nacken krault, wie es nie wieder jemand tun wird. Oder ein Bienchen. Oder ein Eis am Stiel. Oder nur einmal schneller rennen als der schnellste Läufer der Klasse, den Du überrundest, als ihr Euch nur warm lauft…

Ein Bekannter meiner Mutter meinte mal: Wenn Du es richtig anstellst, ist einmal Kindheit genug…

Ich hab da wohl was falsch gemacht.

Peh



Home is where…?

Februar 14th, 2007

Der Bass ist so traurig in dieser Freitagnacht, dass er im Elektro endet und nur noch Whooomph- Whooomph- Whooomph- Whooomph- Whooomph- Whooomph- Whooomph- Whooomph von sich gibt wie eine kleine Lady, die in ihrer Trauer an der Bar im Alkohol endet und nur noch „Hach. Hach. Hach!“ seufzen kann.

Die Tage werden heller… aber davon bekomme ich gar nichts mit. Abends wir es noch immer zu schnell zu dunkel und die Tage schleppen sich dahin, Stund um Stund, und es scheint mit jedem Müßiggang des Sekundenzeigers von Tick nach Tack wird alles ein bisschen trauriger. Sogar der Bass.

Fühle mich heimatlos.
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Peh



Schlechte Partynächte (aka Schlechte-Partie-Nächte)

Februar 8th, 2007

Ich geh nie auf Party um aufzureißen. Ich hasse das. Gehe dorthin wegen der Party, oder wegen Freunden, oder weil mich jemand einlädt.
Schlechte Party No. 1. Es ist 3 Uhr, als ich gehe. In Begleitung von Micha, 20, so jung, sehr süß, unheimlich redselig. Thomas, 25, ziemlich attraktiv, ziemlich charmant, schaut verwirrt, aber nach 3 Stunden an der Bar rumhängen und ihm beim Jacken aufhängen zuschauen, what a date!, habe ich die Lust verloren.
Weiß auch gar nicht, ob ich überhaupt Lust auf ihn habe. So wirklich. Also so, wie man Lust auf jemanden hat, den man wirklich will. Egal wie hoch der Preis ist. Herz. Blut.
Vielleicht gehe ich deshalb auch endlich, weil ich nicht weiß, wann es kribbeln soll, wenn nicht jetzt. Jetzt fällt mir nur auf, dass er dreckige Fingernägel hat. Und wenn da ein potentieller Partner vor einem steht, da denkt man immer an Sex, wenigstens, ob man sich das vorstellen könnte, aber Sex und dreckige Fingernägel: Yeeechh! Nee. Da will ich ganz schnell weg.

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Peh



Kapiert.

Februar 7th, 2007

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Peh



Ach. Hallo.

Januar 31st, 2007

12:25 Es ist früh am Morgen. Meinem Morgen. Wenn man ewig kränkelt und erst 13 Uhr mit der Arbeit beginnt, ist 12:25 früh am Morgen…

11:45 Nach Halbschlafträumen von in Schwelbrand gesetzten Kellern aus denen man nur noch schnell den Laptop rettet (will gar nicht wissen, was die Traumdeutung dazu sagen würde) wache ich auf. Fühle mich verquollen. Ne Mischung aus verkatert, verheult und verschleppt erkältet.

11:46 Kater Toni sitzt neben meinem Kopf und wartet schon, maunzt so was wie „Wird ja mal Zeit…“ Ich könnte schwören, er rollt dabei mit den Augen. Er trottet in die Küche. Ich folge auf den Fuß. Der Mensch ist ja bekanntlich das Haustier der Katze. Gebe Fressen und Streicheleinheiten, weil sonst gemeckert und nicht gefressen wird. Hätte auch gern jemanden, der für mich kocht und mir beim essen den Nacken krault.

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Peh



Türpolitiker

Januar 7th, 2007

Am Eingang stehen Bodyguards. Schränke. Mit finsterer Mine. Wie vor den hippen Mitte-Clubs. Nur dass wir hier in einer hippen Mitte-Kanzlei sind, wo (Kunden)Freundlichkeit groß geschrieben werden sollte. Aber, zugegeben, sie sind ja nicht hier für die Mandanten, also muss man wohl auch nicht sonderlich freundlich dreinblicken. Nein, heute sind sie hier, um die Besprechung der Partner über einen Partner vor eben diesem Partner zu… nun ja: schützen?

Schleiche mich, klein und dünn, neben den Kerlen noch kleiner und dünner, hin zu meinem Arbeitsplatz. 2 weitere Schränke drücken sich an mir vorbei, den besagten Partner in der Mitte. Mit seiner Surfermatte auf dem Kopf und dem Knöchelverband vom letzten Surfunfall im Armani-Anzug könnte er glatt aus nem alten DeNiro-Streifen gefallen sein. Story irgendwas mit Mafia. Irgendwas mit viel Geld. Irgendwas mit… diesem kleinen fiesen Kerl, der sich ganz groß macht.

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Peh



Neujahr küssen

Dezember 31st, 2006

Vor dem letzten Glockenschlag:
Die Sorgen des Jahres auf Papier
verbrennen und vom Dach wehen lassen
Asche zu Asche, Sorgen zu Staub!

In dieser einen
magischen zeitlosen Sekunde
(00:00)
Einen Silversterkuss rauben
Nicht ohne Kribbeln im Bauch

Danach einen Wunsch
Wünschen, nicht äußern
Auf den ersten Stern
Den man sieht im neuen Jahr

Und Ladies:
Rote Unterwäsche tragen!
(Herren meinetwegen auch)

So will es der Brauch

*

Den Damen und Herren und Lesern der NB einen guten Rutsch und für 2007 alles, vor allem Gesundheit!
p.

Peh



Affront gegen die Jugend. (Oder: Schlafmangel weckt den Spießer in mir.)

Dezember 21st, 2006

Ich werde alt. Und meine jugendlichen Nachbarn bringen mich um den Schlaf. Aber mit Anfang 20 war ich wohl auch so: in erster Linie alternativ. Das hieß damals: Freizeitstudentin mit vielen Semestern ohne Scheine, mit Kindergeld und ein paar Stunden in der Woche Nebenjob, (im besseren Fall Bafög, dann ohne Nebenjob, war bei mir nie der Fall, weil mir das Bafög-Amt nie glauben wollte, dass ich nicht weiß, wo mein Vater ist, oder im noch besseren Fall kommt das Geld von den Eltern weit weit weg), im Schlabberlook aus dem Second Hand Laden, täglich Zigaretten und Kaffee zum Frühstück, mit Freunden in der 1. eigenen Wohnung Zigaretten so viel man will selber drehen & billigen Rotwein aus dem Spätkauf trinken, hinter zugezogenen Gardinen chillen oder am PC die Nacht durchmachen mit ner kleinen Tüte zwischen den Fingern und nicht zu vergessen: laute Musik.

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Peh



Zwischen Leben und Sex: Trost. Los!

Dezember 20th, 2006

Es kommen Mails, SMS, Anrufe von denen, nicht viele, die ich davon wissen ließ, dass meine Oma und mit ihr meine halbe Familie gestorben ist. Viel Trost. Der mich kaum erreicht. Ich erfahre davon: an der Bar, hammer Beatz im Ohr, im Killerdress und mit einem fetten Grinsen im Gesicht.
Eine dieser Freitag-Nächte, die gefehlt haben. So lange. So gut.
Bis zur Nachricht…
Als ich sie das letzte Mal sah, hat sie geschlafen, fiebrig zwar, aber ruhig und… ihre 91-jährige Haut war die eines jungen Mädchens: glatt und weich und rosig. Musste lächeln als ich sie so liegen sah. War schön, sie zu berühren, ihr noch was ins Ohr zu flüstern und dann einfach ihre Hand zu halten. Ohne Worte. Aber mit viel Gefühl. Danach ließ ich sie weiterschlafen, ging meine Sparflamme treffen, weil niemand sonst erreichbar war, alle im Sommerurlaub oder im Magisterstress oder einfach nicht erreichbar. Die Sparflamme also, mit der schon lange nichts mehr läuft. Aber ein netter Kerl ist er trotzdem, mit dem man gut in der Goldfisch-Bar sitzen und viel zu gute und viel zu starke Drinks trinken kann.

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Peh



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