Ode an die Ruderbank
Wenn ich aufwache, höre ich die Trommel schon. Manche sagen, das wäre mein Herz. Aber ich weiß es besser. Es muss die Trommel sein. Denn ich mag meine Ruderbank.
Ruft Ihr ruhig „Zynismus!“. Ihr wisst nur noch nicht, wo ihr sitzt.
Ich mag meine Ruderbank. Denn ich hab sie mir ausgesucht. Sie ist relativ weit vorn. Und ich gebe zu: auf dem Oberdeck. Wie die Arbeit unten ist, weiß ich nicht, aber man hört schlimmes. Weiter hinten saß ich früher. Die Arbeit war eigentlich die selbe. Das Ziel auch. Aber die Aussicht war schlechter. Und außerdem ist meine Ruderbank eine ganz besondere. Sie ist nicht aus Tropenholz und etwas dreckig ist es darunter auch. Aber ich mag meine Ruderbank. Andere haben schon mehr Reihen ausprobiert. Aber entweder waren sie irgendwann nicht mehr im Takt ihrer Kollegen oder der Aufseher zu streng. Ich beneide viele von ihnen trotzdem um ihren Mut. Immerhin haben sie es ausprobiert. Aber mir geht’s gut auf meiner Ruderbank. Andere haben mit den kleinsten Kähnen die steilsten Klippen umschifft. Viel Seemannsgarn hört man in den Tavernen der Zunft. Aber wirklich glücklich geworden, wer ist das schon? Wenn ich nichts höre außer dem Takt, wenn unser Ruder die Wellen anpeitscht. Dann dreht sich meine Welt um mich. Dann dreht sie sich, weil ich sie drehe. Sekunden. Minuten. Verloren, nein verlebt unter der Trommel. Meditation, eins sein mit der Welt. Andere bezahlen, um das mal zu spüren. Und ich? Habe ich nur Glück? Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass ich rudere und was ich rudere. Manche wissen das nicht. Manch glauben, wer lange genug rudert lernt dadurch fliegen. Manche putzen nur das Deck und nennen sich Bohemé. Und doch hören auch sie die Trommel und peitschen sich selbst. Ta-Tam-Ta-Tam tief in dir drinnen.
Und manche haben noch nicht gemerkt das alle rudern. Aber alle schauen zurück. Und alle kommen voran.
Und die Moral von der Geschicht?
Das Leben ist Trommeln. oder nicht.
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