exklusivität Ursphalt

Allein zu zweit, niemals solo.

Natürlich ist es immer leicht zu sagen, dass man das ja schon immer gewusst hätte und es ja so kommen musste. Im Nachhinein. Man kann es sich also einfach machen und am Ende als strahlender Sieger auf dem Podest stehen. Oder man denkt sich seinen Teil, hält weiter die Schulter hin und bietet einen starken Rücken. Man darf von seiner besten Freundin nicht wollen, was die beste Freundin nur von ihrem Freund erwartete und nie bekommen hatte. Ich habe mich noch nie in meine beste Freundin verliebt, als es noch so etwas wie beste Freundinnen gab. Diese Kategorien spielen für mich heute keine Rolle mehr. Beste Freunde. Mein engeres Umfeld hat sich in den letzten Jahren so reduziert, dass ich ohne zu zögern die drei, vier, fünf Menschen, die sich darin befinden, als meine besten Freunde bezeichnen würde. Nur definiert sich beste, immer nur über die Abgrenzung, also über gut, oder schlecht, oder besser. Aber ich habe keine guten Freunde mehr. Das sind jetzt Bekannte. Und schlechte Freunde hatte ich noch nie, auch nicht aus der Sicht meiner Eltern. Ich hatte schon Frauen, in die ich verliebt war, die aber nur zur besten Freundin wurden. Damals. Es war die einzige Möglichkeit ihnen nahe zu sein, so nahe wie es nur geht, ohne den Eindruck zu erwecken, noch näher zu wollen. Das Problem an dieser Position ist, das man als bester Freund der besten Freundin, alles über den Freund der besten Freundin erfährt: Am Anfang naturgemäß in diesem Moment für mich die schlimmsten, weil für sie schönsten Momente mit ihm, aber im Verlauf der Beziehung, die mehr und mehr niederträchtigen Details des Alltags, die Langeweile des Beischlafs, die mangelnde Unterstützung in schwierigen Situationen und alles über seine dämliche Kumpels, die immer noch kiffen und bei denen er nur verblödet. Ich weiß alles über die Socken, die einzeln im Zimmer rumliegen, das zerknüllte T-Shirt, das sie gerade erst aus der Wäsche geholt und zusammen gelegt hatte, über die ganze Respektlosigkeit, die er ihr entgegen bringt und ihre Arbeit in der Wohnung nicht schätzt. Sie ist zuständig für den Nestbau und er hängt seinen Hintern nicht mal raus, wenn er kacken muss. Als Mann weiß ich natürlich, dass das eine sehr weibliche Sicht ihrerseits ist, aber als bester Freund meiner besten Freundin muss ich das immer scheiße finden und den Kerl verdammen. Wer punkten will, muss stürmen. Erst spät merkte ich immer, das dieses Spiel eine Sackgasse ist, nur zu deutlich durch Sätze, wie: „Mit dir wäre das alles viel einfacher, nur leider bin ich nicht in dich verliebt!“ gekennzeichnet und dennoch bin ich viel zu oft diese Einbahnstraße weiter gelaufen, weil immer noch Hoffnung besteht im Konjunktiv „wäre“. Beziehungen, die nur auf der Hoffnung beruhen, dass das alles irgendwann einmal etwas wird, wenn sich das und das nur ändert, sind zum scheitern verdammt. Dabei ist es völlig egal, ob man der beste Freund, der besten Freundin ist, solange man sich nicht mit dieser Situation zufrieden gibt, oder ob man selbst die eigene Beziehung betrachtet. Viel zu viel Kalkül und viel zu überlegt. Menschen verändern sich nicht allein in einer Beziehung, Menschen nähern sich an, oder bewegen sich voneinander weg. Wenn ein Partner den anderen aber verändern will, dann will er sich selbst meist am wenigsten bewegen. Ein nebenher ist kein miteinander.

4 Responses to “Allein zu zweit, niemals solo.”

  1. Says:

    [...] Mein liebstes Kind ist nach wie vor die Neue Bodenständigkeit, auch wenn ich es zur Zeit sträfligst vernachlässige. Heute habe ich endlich mal wieder einen Text dort geschrieben und hoffe er gefällt: Allein zu zweit, niemals solo. [...]

  2. Says:

    Endlich wieder ein simply simple text - dankeschön & bitte mehr davon!

    !!

  3. Says:

    Word!

  4. Says:

    sehr schön, sehr feinsinnig… der Schluss ist… top

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