Undine geht. Und Recht hat sie. Ich war auf einer Party und Daniel Brühl war auch da. (2005)

1990

Am Silvesterabend 1989 fasste ich einen gewichtigen Beschluss. Ich würde 1990 ficken. Richtig ficken. Nun hätte ich mir an jenem Abend auch vornehmen können, an den Olympischen Spielen 1994 im Bodenturnen teilzunehmen, es wäre nicht unwahrscheinlicher gewesen. Denn Frauen gab es in meiner Welt nicht. Nun gut, da waren die Mädchen aus meiner Klasse. Eine von ihnen hatte mir sogar schon einmal einen runtergeholt. Dreimal. Hanni Klum.

Hanni Klum hatte mit 11 schon Brüste und masturbierte unter der Dusche mit einem Schwamm. Allein diese Schilderung ließ mich einen Nachmittag meines jungen Lebens auf der Toilette verbringen. Ein Ort übrigens, den ich selten verließ, meine Eltern hatten sich wohl schon damit abgefunden, dass ihr einziger Sohn an einer schweren Darmerkrankung sterben würde. Eines Vormitags einigten Hanni Klum und ich uns darauf, dass es ein glücklicher Zufall sei, dass sie gern mal einen Schwanz berühren würde und ich: ja, nun, ich konnte immerhin das, was nach den Toilettenbesuchen von ihm übrig geblieben war, anbieten.

Also kam sie einige Tage später zu mir. Mit der Sorgfalt des Zwanghaften hatte ich einen Tag ausgesucht, an dem meine Eltern einen Ausflug machten, wir konnten uns also ungehemmt an die Gegenüberstellung machen. Da gab es nur ein Problem: Mich. Denn es gelang mir kein Millimeter der Bewegung auf Hanni zu. Ich klemmte auf meinem Bett, als hätte ich einen Hirnschlag erlitten.

Bei der Klage Hiobs, das hatte ich doch gewollt!

Hatte ich das? Meine Tage auf dem Klo waren geprägt von trauter Einsamkeit, nur ich und ein Buch aus dem großen Regal meiner Eltern, am liebsten “Ehepaare” von John Updike. Dieses scannte ich mit fliegenden Fingern nach den “Stellen” ab, Oasen der Erotik, Sätze, in denen von blaugeäderten schweren Brüsten die Rede war, von Venushügeln und behaarten Leisten. Hier aber saß ein Mädchen.

Umblättern konnte ich das nicht.

Fortsetzung folgt

12 Responses to “1990”

  1. sunny Says:

    das klingt alles total eklig.

  2. cromopila aka sunny Says:

    das klingt eklig

  3. Says:

    pfui baba

  4. Says:

    Herr Welding sind Sie sicher, dass Sie nicht in echt Tommy Jaud heißen?

  5. Mathias Richel Says:

    WOOOOUUUUW! Hatter Toback auf leerem Magen. :))

  6. Says:

    @ Dieter Petereit
    Ich bin mir nicht sicher, wie der Vergleich gemeint ist.
    @ sunny
    Schlecht geschlafen?

  7. sssunny Says:

    mmh, beinah gar nicht…

  8. Says:

    Jetzt verstehe ich, wieso dieses Blog nur männliche Autoren hat. Toll!

  9. sssunny Says:

    peter du sprichst in rätseln. der text ist fantastisch, so fantastisch, dass ich mir deswegen sogar die halbe nacht um die ohren gehauen habe…

  10. Says:

    Jetzt, wo Du es sagst, fällt es mir wieder aif: ich mag blaugeäderte, schwere Brüste.

    Bei meinem allerersten Date dieser Art stand ich sogar auf und ging, als sie sich zu mir auf’s Bett setzte. Aber psssst!

  11. Says:

    Ich scheine tatsächlich in Rätseln zu sprechen. Ich fand den Text ebenso fantastisch!

  12. Says:

    Ich find es spannend, dass du - okay, vielleicht auch irgendein lyrisches ich, aber ich unterstelle jetzt einfach mal einen gewissen autobiographischen Zusammenhang - also dass du dich an Texten aufgegeilt hast / aufgeilst. Und nicht an bewegten oder unbewegten Bildern. Sagt doch einiges aus.

    Phantastische Texte, alle, auch der.

Leave a Reply

Statistik