A la prochaine

Oktober 16th, 2007

Ich fahre im Nahverkehrszug zu einem Kunden. Die Sekretärin eines anderen ruft an und versucht mit mir Präsentationsdetails zu besprechen, die ich längst aus meinem Gedächtnis gelöscht habe. “Ich rufe zurück”, beschwichtige ich sie, “in drei bis vier Stunden”. In der Zwischenzeit bin ich durch einige Abteile gelaufen und erfreue mich der frischen Luft. Beim ersten Abteil, bei dem eine Seite frei ist, lasse ich mich nieder.

Eine junge Frau sitzt mir gegenüber und tippt irgendetwas in ihren Laptop auf dem Schoß. Eine handschriftliche Mitschrift liegt neben ihr auf der Tasche. Collegeblock, eine Studentin, schätze ich. Ich entscheide mich gegen Laptop und Emails checken und für ein Buch. Nichts, bei dem ich den Umschlag ständig vorzeigen will, Fachbuch, Fachkürzel im Titel. Was ich immer noch besser finde, als jetzt plötzlich wieder Doris Lessing oder Julia Franck zu lesen.

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Bandini



Gelbweiße Laken

September 28th, 2007

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Paul Hofmann



#29

September 27th, 2007

Wie sind die Dinge an der Küste? Bist du wieder einmal pleite?

Du hinterlässt keine Nachricht, nur deine Nummer im Display. Ich habe sie längst gelöscht. Auf einen Anruf kannst du lange warten.

Du mit deinen Puppenschuhen, deiner Panik vor Laufmaschen. Was machst du, wenn es stürmt? Erzähl mir nichts von Weite, erzähl mir nichts von Freiheit. Jemand wie du fährt zwanzig Kilometer zurück, wenn sie die Sonnenbrille vergessen hat.

Ja, ich brauche sie, die Stadt. Ja, ich will den Lärm.

Lass mich in Ruhe mit der Küste. Du willst doch nur mein Geld.

Jürgen Albertsen



An ihrer statt.

September 19th, 2007

„Können wir bitte Delta Radio hören?“

Der Taxifahrer beschäftigte sich mit dem Finden des Senders während die Atmosphäre durch ihr beider Schweigen bestimmt war.

Sie nahm sich eine seiner Zigaretten aus der Mittelkonsole.
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Nordvest



25 Gründe für einen wesentlich älteren Mann

September 8th, 2007

1 …erzählt nicht so unfassbar viel Blödsinniges

2 nicht mehr lange!

3 begehrt er Dich, wie nie einer zuvor und weiß, dass sein Körper im Vergleich zu Deinem eigentlich schon vorbei ist

4 das weißt Du auch und kannst ihm das Gehirn rausreißen mit

5 Deinen Reizen.

6 Er weiß nicht, dass Du das weißt und
sitzt
tatsächlich
dem Irrglaube auf, Du seist die Unschuld und überhaupt seine einzige

7 Rettung, erstmal

8 fühlst Du danach in seinen Armen die ganze Liebe, die Dein blöder Vater Dir nie gegeben hat.

9 Er will aber nicht Dein Vater sein und betrinkt sich mit Dir

trotzdem

10 denn eigentlich will er es doch.

11 Niemals wirst Du darüber nachdenken,

12 wer den teuren Wein, von dem Du keine Ahnung hast,  bezahlt, denn

13 er macht das

14 und glaubt, es sei Dir wirklich unangenehm

15  – er findet das süß –

16 ist es (Dir) aber nicht, denn: wer soll es denn sonst bezahlen.
Und das ist

17 Harmonie

18 …

19 also — warum nicht auch mal unter der Woche zu ihm gehen,

20 Montag oder Dienstag … und Mittwoch! …

21 Sonntags macht ihr einen Ausflug an den See.

22 “Cremst Du mir den Rücken ein?”
“Ja, dreh’ Dich um” sagst Du. Und entdeckst dabei

23 drei Altersflecken.
Iii!
Sein Gehirn ist inzwischen auch wieder an der richtigen Stelle – auf das Konzert heute Abend gehst Du
Allein.

24 Er wollte sowieso mit Freunden ins Kino.

25 Gut so. Denn da ist ist wieder einer, der…

Laura



Nackt

September 7th, 2007

Schlaftrunken schäle ich mich aus dem großen weißen Bett. Es ist totenstill. Glücklich still in diesem Hotel. Ich kann über die Dächer der fremden Stadt sehen. Bis zum Hafen. Und über dem ganzen hängt ein bleigrauer Himmel, als hätte jemand meine Stimmung übers Land gebreitet. Ich fühle mich wohl in diesem Himmel, den Regenfetzen, die dazwischen hängen. Ich stehe kaum auf meinen Beinen, mit einem halbklaren Gedanken und kokettiere schon mit meinem Leiden.
Da ist natürlich zuerst der Gin, der noch in meinen Adern schwimmt. Generös eingeflösst vom Bartender meines Vertrauens in dieser Stadt. Mit hohen Volumenprozenten, jeder Schluck eine mondäne Geste. Das rede ich mir zumindest ein, als ich meine roten Augen im Spiegel mustere. Und mit dem Blick in meine Augen kommt auch schon die Erinnerung an das Gesicht, das ich jetzt gerne sehen würde. Und nicht kann.

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Cicogna



namenstag

September 3rd, 2007

Wir nähern uns der Tür. Meine Hand leicht an ihrem Rücken. Ihn im Schlepptau. Er ist nett, aber jung und zu durchmischt im Kopf. Und in der Kleidung. Ich habe mir kurz überlegt, ob er mit soll. Aber wieso nicht? Er ist ein Freund von ihr. Lass es das Schicksal machen.

Denn ich kenne derzeit niemanden mehr an der Tür. Hasse es, anzurufen wegen Listungen „plus 1“. Aber lass uns einfach sehen. Die wichtigen Namen habe ich ja zum Fallenlassen.

Und da ist die Schlange vor der Tür. Ungeordnet, denn hier versteht jeder sofort, dass es keinen Automatismus gibt. Man steht und wartet auf Augenkontakt.

Ich ziehe sie sanft am Ellenbogen zu mir, rücke vor in den Raum. Den Mantel hat sie sich wohl geliehen, denn sie hatte Sommer erwartet bei mir. Er ist leicht zu groß, aber sie hat es geschickt kaschiert mit dem Seidentuch, über das lang ihre Haare fallen. Sie wirkt wie aus einem Bild. Schwarzweiß und etwas zu bohemien für ihr Alter. Großartig. Und wir scheinen zusammen. Lassen die anderen zurück, die die Schultern durchdrücken, um sich cool zu verkrampfen.

Und das sehen auch die, die es sollen, und nehmen uns auf. Auch ihn, den wir mitziehen, obwohl er hier nicht schwimmen kann. Ich sage, dass er zu uns gehört. Ruhig. Riskiere es. Und es wirkt.

Und dann sind wir innen. Werden aufgesaugt und es wird wärmer, denn ich kenne Leute. Werde begrüßt und öffne uns Wege. Und sie ist hinter mir, strahlt mich an und will meine Nähe. Die Beats hüllen uns ein und wir beginnen zu tanzen. Der Rest, die Verstrahlten, die zu sehr gestylten, zu tätowierten Typen, die zu dünnen kalten Models am Rande der Tanzfläche - sie alle verschwinden.

Wir vergessen sie. Es wird ein perfekter Abend werden. Ich werde ihn perfekt machen für sie. Ich flüstere ihr etwas ins Ohr, das sie strahlen läßt. Sie legt ihre Arme um meinen Nacken und drückt sich schwingend an mich. Liegt in meinen Augen. Wodkaselig.
Heute ist ihr Tag. Ihr Namenstag.

Cicogna



angst.

September 1st, 2007

es haben sich getroffen zwei kompromisslose um auf sparflamme an ihrer übereinkunft zu köcheln. bitte verstehen sie, es war so nicht von anfang an gedacht. die flamme war hell und gesund, aber eben auch zart und leicht zu stören. es passierte beim kaffee kochen, vielleicht schon beim ersten. beim kaffee umrühren kam dann die angst vorm alleine sein zu zweit und der möglichkeit irgendwann mal könnte das einzig mögliche geräusch das seitenumschlagen der zeitung und das räuspern danach sein. die angst beider vor dieser angst war groß und es wusste keiner so recht, was er sagen soll, also blieb man erst mal sitzen, harrte aus und besann sich der angst vorm alleine sein. beide schlange und kaninchen zugleich saßen am tisch, guckten ängstlich und äußerten sich: “lass nur, ich mach schon und das finde ich auch”. und so wollten beide abwechselnd beim aus höflichkeit zucker holen für den anderen in der küche sieben mal das gegenteil in die wand meißeln. mit angst im gesicht bot man danach dem anderen vorsichtig lächelnd das geholte an und füchtete den prüfenden blick und die gewissheit, der andere sieht die angst und bekommt es mit der angst zu tun. so hat man also eine weile angst zusammen und arbeitet sich zum ende vor. und dann steht man da, den bitteren nachgeschmack vom letzten schluck des zusammen gekochten kaffees als pelz auf der zunge, angezogen schon, macht den obersten knopf der jacke wieder zu, nimmt den regenschirm, geht vor die tür, und ist endlich wieder allein alleine. man hatte es ja die ganze zeit schon befürchtet.

Laura



moment

August 26th, 2007

Du bist der Moment. Ich sehe Dich an und bin glücklich wie ein Kind. Dich Moment.

Seit Wochen sehen wir uns ständig. Unheimlich ständig für einen wie mich, der sein Alleinsein wie eine Waffe bei sich trägt. Konsequent und lächerlich stolz.

Wir tanzen miteinander. Oft. Und ich habe noch nicht einmal Deinen Körper gespürt. Stattdessen hat mein Kopf ständig versucht, Dich festzumachen in der Zeit. Und verzweifelte, weil ich sie an Dir abprallen sah.

Der Typ, der mit Dir tanzen wollte, und dem Du Dich entwunden hast, um Dich an meinem Arm fortziehen zu lassen. Du hast ihn schon vergessen. Das Taxi, das uns hierher brachte, wo wir sitzen. Du hast es vergessen. Du strahlst mich an mit Deinen großen Augen, atmest den Rauch in die Nacht und bist bei mir.

Du trinkst die Zeit als wäre sie eine Mutter, die sich Dir täglich gibt. Löffelweise. Ohne Dein Zutun. Uns trennen 10 Jahre und ich habe das Gefühl, gerade soviel zu lernen von Dir.

Ich werde versuchen, Dir genau das zu sagen. Aber Du wirst es wohl nicht verstehen. Du siehst die Dinge anders. Glücklich anders. Du bist der Moment.

Cicogna



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