Sand im Getriebe.
In Berlin hat sich ein Mann vor die S-Bahn geworfen.
137 Frauen und Männer kamen zu spät zur Arbeit.
57 Kinder kamen zu spät zur Schule oder in den Kindergarten.
4 von ihnen verpassten den Bus zum Wandertag.
64 Menschen kamen zu spät zu ihrem Termin mit dem Fallmanager.
6 Frauen und Männer verspäteten sich zu ihrem Vorstellungsgespräch.
2 Menschen kamen an ihrem ersten Arbeitstag zu spät.
9 Polizisten protokollierten alle wesentlichen Unfallmerkmale.
4 Rettungssanitäter und ein Notarzt versuchten ihr bestes.
2 Angestellte eines örtlichen Bestattungshauses arbeiteten mit dem Ergebnis.
1 Zugführer hat den restlichen Arbeitstag frei bekommen.
Alle nachfolgenden Züge verspäteten sich um 34 Minuten.
Danach wurde die Strecke wieder freigegeben.
In Berlin hat sich ein Mann vor die S-Bahn geworfen.
Die BVG entschuldigt sich bei allen Beteiligten für die Unannehmlichkeiten.

November 10th, 2006 at 11:45
meine strassenbahn hatte auch verspätung (heidelberg)! jetzt weiss ich wieso…
globalisierungseffekt?
November 10th, 2006 at 11:47
[...] zu’manchmal bist du der sand und manchmal das getriebe…’ RSS feed fuer kommentare und trackback URI fuer ‘manchmal bist du der sand und manchmal das getriebe…’ [...]
November 10th, 2006 at 14:01
Also den Wandertag zu verpassen… DAS ist schon hart!
:-)
November 10th, 2006 at 15:05
Sitzt!
November 10th, 2006 at 15:42
das passiert des öfteren vor allem in berlin. gab es neulich nicht einen dj, der gemeinsam mit seiner freundin vor die bahn gefallen ist?
November 10th, 2006 at 16:28
PASST! Und sinnfreie Statistiken kommen eh immer gut.
November 10th, 2006 at 16:31
In der News-Spalte ein Überleser, aber auf den Schienen: Wer war der Mann?
November 10th, 2006 at 16:57
Und genau deshalb ist es egoistisch und ruecksichtslos, sich waehrend der Hauptverkehrszeit vor die Bahn zu werfen. Solche Leute sollte man… ach nee, is gut.
November 10th, 2006 at 20:00
Und ein paar Dutzend Menschen kriegen den restlichen Tag nichts mehr auf die Reihe und müssen womöglich zum Psychiater, weil sie mitbekommen haben, wie sich der Mann vor den Zug geworfen hat. Es gibt dezentere Methoden, seinem Leben ein Ende zu machen. Ich werd das wohl nie verstehen, wie man vor Publikum solch einen Abgang machen kann.
November 11th, 2006 at 00:03
Autsch!
November 11th, 2006 at 01:31
Ja, autsch.
Und viele sehen nur ihre verlorenen 34 Minuten. Aber da vorn am Triebwagen hat sich gerade ein Leben verabschiedet. Minuten sind für diesen einzelnen Menschen zukünftig egal.
Und den meisten ist dabei dieser Mensch egal. Wichtig sind die 34 Minuten. Autsch.
Ich nehme mich da ja gar nicht aus, es ist aber ein schlimmes Spiegelbild unserer Anonymität.
Und die ist wirklich Autsch.
Wer kennt hier seinen Nachbarn?
November 11th, 2006 at 02:28
Mein Kommentar (8.) sollte allein eine ueble, doch verbreitete Meinung zeigen und ist nicht meine. Und bumms, kommt Senderin und gibt mir Recht. Aua.
Haette ich kennzeichnen sollen, stimmt.
November 11th, 2006 at 19:46
[...] Durch diesen Beitrag wurde ich an letzten Sommer erinnert. Ich wollte nach Köln fahren. Wäre ganz knapp pünktlich gekommen. Wäre. “Aufgrund eines Unfalls mit Personenschaden…”, was danach kam, hab’ ich nicht mehr richtig gehört. Wir müssten drumrum fahren. 15 Minuten später: Wir können die Strecke doch benutzen. Ich dachte, sie hätten ihn weggeräumt. Hatten sie auch - größtenteils. Die eine Hand, die ich sehen musste, bevor ich die Augen zukneifen konnte… [...]
November 11th, 2006 at 23:26
2346 Menschen nehmen die durch diesen Fall auftretende Verspätung, als Bestätigung für das Klischee, die Bahm käme immer zu spät.
November 13th, 2006 at 20:34
Meinen Nachbarn kenne ich nicht. Aber eines seiner Kinder. Es spielt Trompete.
Eine Freundin sass im ersten Wagen einer U-Bahn, vor die sich jemand stürzte. Sie kann das Gefühl nicht vergessen, als der Wagen über ihn hinweg polterte.
November 14th, 2006 at 10:52
Sind die Zahlen geraten?
November 14th, 2006 at 10:53
geschätzt.
November 14th, 2006 at 14:48
Vielleicht suchte der Typ aber auch nur den lautesten Imperativ, den er je gehört haben wollte. Weil dann hätte die anonyme Gesellschaft jedes Recht sich über die Verspätung zu ärgern.
November 14th, 2006 at 14:53
Ja, vielleicht. Schade, dass er erst dieses ‘Megaphon’ dafür nutzen musste.
November 14th, 2006 at 16:35
So laßt uns bessere Menschen werden und solch schreckliche Taten verhindern. Geht alle hinaus und klingelt bei Euren Nachbarn. Nehmt besser Bier und Chips mit. Zur Beschwichtigung.
November 14th, 2006 at 17:25
Vor ca. 3 1/2 Jahren hat sich jemand bei mir im Block erschossen. Er wurde drei Wochen später gefunden. Ich habe das erst mitbekommen, als sie in den Hinterhof lüfteten. Ich stand damals kurz vor den Diplomprüfungen und war im Lernstress. Dann standen die beiden Typen im Flur und hielten mir ein Bild unter die Nase. Ob ich den schon mal gesehen hätte? “Ne.” sagte ich “kommt mir aber irgendwie bekannt vor. Sieht ungesund aus.”
Diplomprüfung hin oder her. Und obwohl ich zu der Zeit in einer Berliner Kriseneinrichtung gearbeitet habe, fällt mir kaum etwas ein, wie ich es hätte verhindern können. Im Vorfeld meine ich. Es ist auch eine Entscheidung, sich in zuspitzenden Situationen keine Hilfe zu holen. Gesellschaftliche Angebote gibt es: Krisenhäuser, Krisentelefon etc. Ich denke, dass dieses Thema eine eingehende Untersuchung erfordert, warum auf entsprechende Angebote nicht zugegriffen wird. Besonders damit Unterstützungsangebote zielgenauer Angeboten werden können. Und dennoch glaube ich, dass es auch bei verbesserten Angeboten noch Menschen gibt, die nicht erreicht werden oder diese nicht nutzen.