Beilage rechts, links das Fleisch
Nennen wir sie Silke.
Silke steht ein wenig krumm. Die Türkin ist kleiner als sie — und dicker. Alle sind dicker hier.
Die Türkin sagt: “Die Beilage haben wir immer hier rechts. Links das Fleisch. Und dahinten den Fisch. Aber nur mittwochs und freitags.”
Silke trägt noch keine Kittelschürze. “Für dich müssen wir erst einmal eine finden”, hat die Türkin gesagt. Und so, in Jeans und Top und mit offenem Haar, sieht Silke aus, als hätte sie sich aus einer der Agenturen hierher verirrt. Zu groß, zu blond, zu hübsch.
Sie denkt an den Junior. Sie denkt an heute morgen, an ihre Fahrt durch den Park. Es hatte endlich geregnet über Nacht, und es hat nach feuchtem Sandstaub gerochen.
Für den Junior war es ein Morgen wie jeder andere. Doch für Silke nicht. Sie war nicht umgekehrt und nach Hause zurückgefahren. Sie war hierhergekommen.
Silke folgt der Türkin. “Umkleideraum. Wenn du endlich deine Schürze hast, kannst du dich hier umziehen.” Weiter. “Die Küche. Hier hat Herr Jennisch das Sagen. Denkt er!” Die Türkin grinst, und Silke weiß, dass sie auch grinsen muss.
Zurück zur Essensausgabe. Eine halbe Stunde noch, dann machen sie auf. Später wird Silke spülen müssen. Ihren iPod hat sie mitgebracht. Wenn sie schon nicht üben kann, will sie wenigstens ihre Lieder hören.
Über die leeren Tische und Stühle hinweg kann man in den Garten sehen. Draußen dampft es ein bisschen.
Hinter sich hört Silke die Türkin rufen: “Die hier! Die hier müsste dir passen.”

April 27th, 2007 at 14:35
Nur ein kleiner Verwechsler:
“Für den Junior war es ein Morgen für jeder andere.”
April 27th, 2007 at 14:55
Korrigiert. Danke für den Hinweis. Merke: Niemals nach Mitternacht Texte anfangen. Gremlingefahr.