Die natürliche Belastungsgrenze von Glashäusern.
Mein Gott, mir wird jetzt erst klar, wie sehr ich das vermisst hatte. Zurzeit bin ich schneller wach, als mein Handywecker. Wenn das Ding zum Aufstehen vibriert, tut es das schon an meinem Schenkel in meiner Hosentasche. Ich folge nur noch meinem Biorhythmus. Sonne im Zimmer, Licht im Auge. Frühling, wir sind Brüder. Sonnenrevolution, ich bin dein williger Soldat! Ich fühle mich Guru Plenty. Gerade hat sich mein Leben verändert. Grundlegend.
Gestern habe ich Geld auf der Straße gefunden. Einen zerknüllten Schein. So zerknüllt, wie ich meine eigenen Scheine neben meinem Handy trage. Nicht nur dass dieses Geld jetzt mir gehört, es passt auch zu mir. Glück und Kompatibilität. Und ich habe mir bis eben keine Gedanken mehr darum gedacht. Nicht, weil Geld mich nicht interessieren würde, sondern weil die Umstände, wie es zu mir kam ganz Natürliche waren. Geld finden heißt auch, jemand hat es verloren. Lohnt sich der Gedanke darüber, was dieser Mensch jetzt fühlen muss? Mit 50 Euro weniger auf Tasche. Nein, es lohnt sich nicht, weil klar ist, wie es ihm geht. Der Schein war nicht großkapitalistisch gefaltet, nicht mittelstandsautomatentreu geglättet, sondern hedonistisch verknittert. Achtlos in der Hosentasche gestopft, nicht ins Portmonee gesteckt, nicht sorgfältig geklammert. Die Beifälligkeit des Geldes. Wenn wir alle nach dem Geld streben, warum behandeln wir es dann so lieblos?
Mir ist Geld emotional egal. Ich kann nicht sparen. Ich hatte lange Schulden. Ich war immer der Meinung, dass Geld fließen muss. Ich möchte nicht Schuld sein am Zusammenbruch unseres zu fütternden Systems, indem ich ihm seine Nahrungsgrundlage entziehe – dem Geld. Ich beteilige mich am Kreislauf der Einnahme und Ausgabe. Und bei mir sind beide Faktoren im Ausgleich. Ich verdiene, was ich verdiene und gebe aus, was ich erhalte. Sofort. Sich was gönnen gibt es bei mir nicht. Dieses Gefühl ist mir gänzlich unbekannt. Ich zweige mir nichts ab und lege es beiseite, um mir irgendwann mal etwas leisten zu können. Deshalb habe ich weder einen Führerschein, noch Auto, kein Premiere-Abo und auch kein Eigenheim. Dafür besitze ich drei Zeitschriften-Abos, alle Gadgets dieser Welt und trage Hosen, die nur sagen: Ich bin eine Hose. Ich bin Lustkäufer. Kein Belohnungstäter. Zahlen auf dem Papier und das sonore Schnurren des Automaten, können mich nicht für irgendetwas belohnen. Sie sichern mich nur ab. Aber wir werden niemals Freunde.
Ich bin cool, mit dem was ich tue. Und in den letzten Tagen habe ich das öfter gesagt, als man das vielleicht sollte. Wenn man in der Werbung sein Geld verdient, ist man nicht nur der, der sich am Kreislauf beteiligt – man ist auch eine treibende Kraft. Auch wenn man immer zu hören bekommt, dass das was man tut, anderen egal ist und bei Ihnen sowieso nichts bewirkt. Und ich stehe da und finde das gut. Ich schaue an ihnen herunter und sehe die Insignien verschiedenster Szenezugehörigkeiten und entdecke die Erkennungsmerkmale unserer Konsumgesellschaft. Ich lese Mails nur noch bei google, lese Besucherstatistiken, höre nur bestimmte Bands und lese die „richtigen“ Zeitschriften. Nein, Werbung wirkt nicht.
Wir alle sind Werbung. Wir alle sind relevant für unser persönliches Umfeld. Und unser persönliches Umfeld wird von allen Beteiligten beeinflusst. Biermarke, Lieblingsclub, Musik, Klamotten – wir machen alles nach. Herdentiere. Wir sind alle Werbung. Und keiner will es sehen. Ich liebe das, was ich tue, denn ich mache es gern. Nur das lohnt. Die Sonne scheint endlich wieder. Die bunten T-Shirts übergestreift und die Sonnenbrille vor den Augen. Ich gehe raus in die Welt.


April 15th, 2007 at 15:15
Nice. Jeder Absatz für sich. Aber ich vermisse den roten Faden.
Wie war gestern?
Bei der nächsten Lese bin ich dorbi.
April 15th, 2007 at 15:24
Hab ihn mir noch mal durchgelsen. Ich glaube, der Zusammenhang findet (nur) auf der Metaebene statt.
Die Lesung war so: http://neue-bodenstaendigkeit.de/erstelese/
Peace.
April 15th, 2007 at 22:47
herr nordvest hat recht. das tut der freude am lesen aber keinen abbruch. allein schon der satz “Der Schein war nicht großkapitalistisch…” hat den besuch auf dieser seite gelohnt.
nur das “ich bin cool mit dem, was ich tue”, das ist ein brutaler anglizismus, über den ich stolpere und stürze.
April 16th, 2007 at 11:54
…du. du. du. du bist der, der sich selber am meisten leid tut. ganz wörtlich zu nehmen. ungestreift.
April 16th, 2007 at 12:49
Nein.
Juni 24th, 2010 at 16:50
7n0
http://002evolves.blogspot.com