Wabern It´s all about Gefühle.

Wie viel Mensch braucht ein Mensch?

So viele wie möglich.
Ich bin Rolf Eden. Ich trage meinen weißen Anzug und schare Frauen um mich. Nach dieser Definition könnte ich also auch Reiner Langhans sein, dann ohne Disko, aber mit Uschi Obermaier. Ich weiß es halt nicht, sehe mich da nur so stehen und versuche mich irgendwie vorwärts zu bewegen. Und erst ganz spät merke ich, dass dieser weiße Anzug mir nicht passt und ich ihn mir angezogen habe, weil sie alle gesagt haben, dass er mir steht. Die Frau bei P&C, meine geschmacksentbundene beste Freundin, mein stilresistenter bester Freund, meine harmoniesüchtigen Kollegen und die verkaufsorientierte Modezeitung. Ich höre auf all diese Menschen und ziehe mir die Jacke über.

Unter den Achseln zieht es ein wenig und am Rücken spannt es gewaltig. Ich möchte meine Arme ausstrecken, um zu sehen wie weit der Ärmel vom Handgelenk nach oben rutscht. Zu Weit. Ich fahre nacheinander mit meinen Beinen in die Hose und merke, wie sich der Bund gegen den Knopfverschluss wehrt. Mein Bauchumfang und diese Hose werden niemals Freunde. Am Beinende zeichnet sich ein wenig Hochwasser ab und beim laufen zwickt eine Naht im Schritt.
Ein Kompromiss für 449,- €. Keine Probleme, die man nicht mit einem Eingriff vom Schneider auf Vordermann bringen könnte, allein die Motivation dazu fehlt mir. Ich soll ihn nehmen, sagen sie alle. Und ich kaufe ihn. In die Tüte packt die Verkäuferin noch einen Spring 2007 Katalog und das Gefühl, etwas absolut richtiges getan zu haben.

Die Richtigen.
Ich bin nicht Rolf Eden. Ich hatte mir überlegt einen weißen Anzug zu kaufen. Ich glaube, der könnte mir stehen. Dazu noch die guten Stan Smith II und das würde wirklich richtig gut aussehen. Ich habe ihn gesehen und wusste, dass ich diesen Anzug will. Die Frau von P&C nickte zustimmend, die geschmackssicherste meiner Freundinnen schaute skeptisch, meine Stilikone und bester Freund brach fast zusammen vor Spott, meine intriganten Kollegen hätten über eine hohe dreistellige Gehaltserhöhung spekuliert und seit zwei Jahren höre ich nicht mehr auf Lifestyle-Magazine a.k.a. die größtgedruckte Lüge. Ich höre nur auf die Verkäuferin, die natürlich ein eigenes bonusverseuchtes Modeinteresse an meiner Person hat. Ich ziehe mir die Jacke über.
Unter den Achseln zieht es ein wenig und am Rücken spannt es gewaltig. Ich möchte meine Arme ausstrecken, um zu sehen wie weit der Ärmel vom Handgelenk nach oben rutscht. Zu weit. Ich fahre nacheinander mit meinen Beinen in die Hose und merke, wie sich der Bund sich gegen den Knopfverschluss wehrt. Mein Bauchumfang und diese Hose werden niemals Freunde. Am Beinende zeichnet sich ein wenig Hochwasser ab und beim laufen zwickt eine Naht im Schritt.
Der letzte Scheiß für 449,- €. Wir können nicht mehr auf hören zu lachen. Ich sehe aus wie ein japanischer Sektenanführer auf Viagra, unterwegs um die Charlottenburger Clubs zu rocken. Ich lasse die Hosen runter und ziehe mir die Jacke aus. In Unterhosen stehe ich Geschäft und habe das Gefühl, das absolut richtige getan zu haben.

Gar keinen.
Ich bin nicht mehr Rolf Eden. Ich hatte mir einen weißen Anzug gekauft und mich damit vor eine S-Bahn geworfen.

4 Responses to “Wie viel Mensch braucht ein Mensch?”

  1. SuMuze Says:

    “In Unterhosen stehe ich Geschäft und habe das Gefühl, das absolut richtige getan zu haben.”

    Hey, wie sollen wir denn das verstehen? Haben die keine Klos da?

  2. Mathias Richel Says:

    Ganz P&C ist ein Klo.

  3. Akasha Says:

    Sehr geil: “Mein Bauchumfang und diese Hose werden niemals Freunde.”

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