Heuschrecke
Ich wachte auf und mein ganzes Atmungssystem, ja vielleicht sogar all meine Organe waren in eine Heuschrecke ausgelagert. Eine Reihe von Kabeln verband mich mit ihr. Sie war groß für eine Heuschrecke und klein für jemanden, der an meiner Stelle atmen sollte.
Sog ich Luft ein, hob sich ihr verhältnismäßig kleiner Brustkorb.
Lange würde das nicht gut gehen können. Wie lang lebt schon so eine Heuschrecke? Ich blätterte in meinem Neocortex. Vielleicht ein, zwei Jahre, es würde schwer werden sie durch den Winter zu bekommen. Ich musste einen Arzt finden, eine neue Lunge.
Ich trat auf die Straße, setzte mich in mein Auto. Das Kabel verhedderte sich in der Tür.
Und dann fuhr dieser Idiot in seinem seltsam getunten Auto meine Heuschrecke platt. Blutige Reste klebten an ihrem Ende des Kabels und mein Atem hörte auf.
Ich schnappte nach Luft, aber der befriedigende Sauerstoff erreichte mich nicht mehr.

Februar 24th, 2007 at 16:44
Interessante Variante von Kafkas Verwandlung. Wobei Mistkäfer friedliche Verweigerer sind und Heuschrecken böse Kapitalisten. ;)
Februar 25th, 2007 at 13:40
Heuschrecken haben keinen Neokortex.
:)
Februar 25th, 2007 at 15:09
Sind doch nur die Organe in der Heuschrecke. Kann er doch noch blättern.
Februar 26th, 2007 at 14:14
Dann wird das wohl nichts mehr mit Erdloch.
Schade.
An sich.