Ich will Jüdin sein!? Schweinezyklus der Attraktivität

Mein erster Orgasmus, Teil 1

Die ersten zehn Jahre meines Lebens war mein Penis mir nicht weiter aufgefallen.

Nun gut, als ich beispielsweise mit drei Jahren beim Nacktbaden an der Ostsee ein paar kleinere Mädchen sah, dachte ich, denen würde das Zipfelchen noch wachsen. Das nennt man wohl Penis-Großmut. Jeder sollte einen haben.
Und mein Vater stupste ihn beim Baden manchmal an und sagte: “Pillepillepille”, woraufhin ich vergnügt quiekte.
Er war also über die Jahre betrachtet nicht gänzlich bedeutungslos wie die Milz, von der ich bis heute nur aus dem Pschyrembel weiß, aber auch nicht so wichtig wie der Nagel meines dicken Zehs, der alle zwei Jahre einwuchs und mir Schmerzen bereitete.

Nun jedoch mehrten sich die Morgen, da dieser semibedeutsame Wurmfortsatz sich mir in unbekannter Form präsentierte. Das blassrosa Spitzchen war ein leuchtender Feuerwehrhelm, das ganze Pimmelchen hatte sich verdreifacht.

Würde ich heute mit einem verdreifachten Organ aufwachen, wählte ich mit zitternden Fingern die Nummer des Notrufs, aber damals war ich mit mir und meinem neuen Riesenpenis völlig im Reinen.

Warm pulste er Morgen für Morgen auf meinem Bauch. Und wenn ich Pinkeln gegangen war, wozu ich den Hintern nach hinten schieben musste, um nicht in die Luft zu urinieren, kringelte er sich wieder ein.

Aber nach einiger Zeit regte dieses seltsame Penisverhalten dann doch meine Neugier an. Ich fragte mich, ob ich diesen Zustand auch selber herbeiführen könne. Zunächst wollte ich drangehen, den naturgegebenen Zustand zu verlängern. Ich berührte meinen Ständer vorsichtig mit der Fingerspitze, fuhr den Schaft entlang wie man mit dem Finger über den Lack eines Sportwagens fährt. Dann stellte ich mir ein robusteres Mandat aus, packte kräftig zu, presste ihn zusammen.

Aus mir unerklärlichen Gründen tauchte die Mutter meines Klassenkameraden Marc Bönnle vor meinem inneren Auge auf. Und zwar ausgerechnet wie an dem Tag, an dem sie mir aus dem Garten eilend im Bikini die Tür geöffnet hatte.

Frau Bönnle. Penis. Frau Bönnle. Penis. So entstehen Freundschaften.

Das Verlängern funktionierte also. Nun musste ich abends testen, ob auch das Erwecken klappen würde.

Ich legte meine Hand auf die Schlafanzughose und patschte drauf auf die zu erweckende Stelle. Es regte sich etwas. Durch den Stoff griff ich das sich räkelnde Würmchen und drückte rhythmisch die Finger zusammen. Frau Bönnle kam zu Besuch und ich ließ sie herein.

Und da stand der mächtige Feuerwehrmann.

Zufrieden griff ich zu meinem TKKG-Buch und las, bis mir die Augen zufielen.

In der Schule erzählte ich, was ich mit meinem Penis machen konnte. Die anderen Jungen meinten, ich wäre verrückt, nur Jörg Caspers rückte mit Verschwörermiene an mich heran und fragte: “Hast du auch schon gespritzt?”

War Jörg Caspers wahnsinnig? Was zum Teufel sollte da spritzen? Er bemerkte meine Verwirrung und legte nach: “Na, hattest du einen Orgasmus? Samenzellen? Sperma?”

Später erfuhr ich, dass Jörg von seinen ABBA-Hippie-Eltern einfach nur bereits mit acht Jahren aufgeklärt worden war und selber seinen ersten Orgasmus in die haarigen Hände seines Gruppenleiters bei den Pfadfindern hatte. Jetzt aber erschien er mir als der weiseste aller Menschen.

5 Responses to “Mein erster Orgasmus, Teil 1”

  1. lantzschi Says:

    die detailverliebtheit bei diesem post brachte mir etwas ekel beim lesen, muss ich schon sagen! :)

  2. Bandini Says:

    Ich muss mal nach Frau Bönnle googeln

  3. Xóchil Says:

    außer dem pfadfinder-gruppenleiter, der sich an einem jungen vergangen hat, find ich nix eklig, im gegenteil. schön. gerade die details find ich als frau interessant. das war jetzt wie dr. sommer, nur besser.

  4. nordvest Says:

    Die Freude über die Erinnerung an ähnliche Erfahrungen wird lediglich durch besagten Gruppenleiter getrübt.
    Ich erinnere mich zudem, dass ich als “aufgeklärter” Bruder meiner Schwester einst meinen besten Freund von seinem Penis-Großmut befreien durfte :)
    Penis-Großmut, großartige Wortschöpfung!

  5. Jörg Caspers Says:

    Ich muss diesen Pfadfinder in Schutz nehmen. Er hatte mich nicht verführt, sondern hatte mich lediglich erwischt, als ich mich gerade handentspannte.
    Gruß an Malte

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