Historischer Roman Lass dich überraschen!

Die Darstellungspraxis junger Autoren.

Junge Autoren küssen Mädchen auf Lesungen und treffen sich mit ihnen am nächsten Tag am gleichen Brunchbuffet. Junge Autoren schwärmen von den großen Texten in der Süddeutschen und finden Pop scheiße. Sie schreiben ihre Anti-Pop-Thesen in ihr Moleskine-Notizbüchlein mit ihrem Fallbleistift und speichern ihre Tiraden bei google ab. Junge Autoren müssen sich verweigern, dass liegt ja in der Natur des jungen Autors. Und verweigern heißt für den jungen Autor, dass er beobachtet.

Der junge Autor setzt sich also an das Fenster seines Lieblingscafés, was auch für ganz viele andere Menschen das Lieblingscafé bedeutet, obwohl es in dieser Straße, in der der junge Autor wohnt, gefühlte einhundert andere Cafés ähnlicher Art und mit identischem Angebot an biologischen Erfrischungsgetränken, geschäumten Kaffees und Humus belegten Brötchen mit Loch gibt. Nun sitzt also dieser junge Autor auf den Shiva-Kissen aus einem Hippieladen und löffelt den Schaum vom Gebrühtem und um ihn herum sitzen die anderen, die er ja nur verweigernd beobachten will und diese Menschen sitzen nur hier, weil ein Magazin mal geschrieben hat, dass in diesem einen Café, in der Straße in der der Autor wohnt, dass man da jetzt immer ist und sich vor allem junge Autoren dort treffen und alle hassen den Pop. Der junge Autor schreibt für die Neon und hatte schon einmal einen Text in der Zeit. Der junge Autor träumt von der Galore und schreibt schon lange an seinem Buch. Nur wegen diesem Buch hat der junge Autor angefangen zu schreiben. Der junge Autor schreibt schon lange an diesem Buch und wenn er Mädchen auf Lesungen küsst, dann zeigt er ihnen manchmal und danach noch sein 134 Seiten Manuskript und die Mädchen lesen dann manchmal eins, zwei Seiten, finden das ganz schön und so und der junge Autor sagt dann, dass das doch gar nichts sei und macht noch eine Flasche Gallo White Zinfandel auf. Das geküsste Mädchen ist plötzlich Camilie Claudel und riecht an der behaarten Achsel des jungen Autors. Der junge Autor trägt einen langen Schal und ein Jackett. Darin sieht man ihn immer auf den Lesungen seiner Stadt, zu die er per e-Mail Verteiler eingeladen wird. Da sind dann ganz viele Mädchen und er hat sein Manuskript dabei, obwohl er heute gar nicht liest, sondern ein Freund aus dem Autorenkreis „WortLAUT“, aber er will heute ja vielleicht noch küssen. Den Schal lässt er immer um, aber das muss so sein und zwischendurch macht er sich Notizen in sein Moleskine-Notizbuch für seine Texte in der Neon oder vielleicht kann er das ja noch verwenden, für sein Buch. In der Pause holt er sich ein Jever von der Bar und borgt sich eine Luckies, weil sein Drum Tabak schon so trocken ist. Der junge Autor unterhält sich gern mit Mädchen und überreicht ihnen seine handbeschriebenen Visitenkarten, deren Rohlinge er in seiner Straße, in einem kleinen Papiergeschäft ersteht. Und auf diesen Karten steht vorn „Visitenkarte“ und hinten sind vier Felder zur freien Beschriftung durch den jungen Autor vorgesehen. Er findet das nicht so Pop. Der junge Autor studiert eigentlich noch gelegentlich und das sagt er auch seinen Eltern. Mittlerweile glaubt er auch nicht mehr, dass man mit Germanistik und Kunst auf Lehramt weit kommt. Seine Eltern aber plötzlich umso mehr. Der junge Autor ist sich eigentlich in gar nichts mehr sicher, außer dass er den Pop nicht mag, aber das mit dem Buch ist schon so eine Sache für den jungen Autor. Aber manchmal kann er Mädchen küssen. Und dann bestellt sich der junge Autor noch einen Kaffee mit viel Schaum in seinem Lieblingscafé und lässt sich beim verweigernd beobachten beobachten.

23 Responses to “Die Darstellungspraxis junger Autoren.”

  1. SuMuze Says:

    Mensch, bist du beim Produktplacement gelandet?
    Ich trau mich ja kaum mehr zum Lidl geschweige denn Aldi. Und das letzte Komma im letzten Satz muß unbedingt weg! Finde ich.

  2. SuMuze Says:

    Unverschämtheit! Ich schreibe einen Kommentar (gut, ich gebe zu, kein absolut positiver) und diese Website behauptet, ich mache Spam oder so was, als ich ihn abschicke.

    Na okay, ich will nicht weiter stören..

  3. Mathias Richel Says:

    Alle freigegeben, nur zu viele Kommentare in zu kurzer Zeit. SpamKarma ist da manchmla etwas überempfindlich. Wir können da nur wieder freischalten. Das habe ich auch getan. Bis jetzt wurde hier noch nie auch nur ein Kommentar gelöscht. (war ja auch noch nicht nötig)

  4. Mathias Richel Says:

    Kommatechnisch hast du Recht. Danke.

  5. Leowee Says:

    Pop.

  6. Mathias Richel Says:

    Interessante Theorie!

  7. Leowee Says:

    Ne?

  8. no Says:

    Haben Sie den Text gerade aus Ihrem Moleskine-Notizbuch abgeschrieben?

  9. Mathias Richel Says:

    Ja, das habe ich.

  10. Peter Says:

    Mit Kalender oder klassisch ohne?

  11. Mathias Richel Says:

    Ohne und liniert. 14,50 € im kleinen Papierladen in meiner Straße.

  12. plasmaoxyd Says:

    Du hast’s geschafft, ich kauf mir jetzt auch nen Moleskine. Bin ja noch jung, muss das auch mal mitgemacht haben.

  13. no Says:

    Verstehe. In dem kleinen Papierladen in Ihrer Straße gibts sicher auch Visitenkarten-Rohlinge.

  14. Mathias Richel Says:

    Ganz genau. Und Pop.

  15. bosch Says:

    Das mit den Visitenkarten hat mir gut gefallen. Vielleicht kannst Du den jungen Schriftsteller auch mal hier vorbeischicken:

    http://www.boschblog.de/2007/01/29/hoerreise-durch-hamburg/

  16. Mathias Richel Says:

    Da musst du ihn schon selbst fragen: mathias(punkt)richel(ett)gmail(punkt)com

    :)

  17. albanoundrominapower Says:

    Junge Autoren schreiben Buchrückentexte:
    http://albanoundrominapower.twoday.net/stories/1021698/

  18. albanoundrominapower.twoday.net Says:

    Buchrückentexte…

    Ich sitz hier am Tresen im Café. In einem Café, in dem es sich lohnt, dort zu sitzen. Denn von dort aus kann man nicht nur durch die riesige Scheibe das Treiben auf der Straße beobachten, sondern man hat auch einen guten Überbl…

  19. bosch Says:

    @Mathias: Ich würde ja gern fragen, aber ich bin nicht berechtigt eine Einladung auszusprechen. Vielmehr bin ich nur ein Beobachter der Szene. Aber wer weiß, vielleicht erhälst Du ja irgendwann einen Ruf. Bis dahin gilt es, noch den einen oder anderen Buchrückentext zu verfassen …

  20. Mathias Richel Says:

    Die Rufe rufen schon.
    Ich dachte es ginge schon um konkretes.

  21. Medienelite » Archiv » Auf der Suche nach der digitalen Bohème - Teil 1 Says:

    [...] ist klar, der Latte-Verbrauch ist hoch und ein Macbook Pro zieht am Tag bestimmt nicht wenig Strom. So ein Moleskine-Notizbuch ist auch teuer und wenn man davon 20 Dinger im Jahr vollschreibt, sind das auch mindestens 300€. Und wenn man [...]

  22. Notizbuch » Ein Notizbuch ist || André Kostolany Says:

    [...] Die Darstellungspraxis junger Autoren. Haben Sie den Text gerade aus Ihrem Moleskine-Notizbuch abgeschrieben? So ein Moleskine-Notizbuch ist auch teuer und wenn man davon 20 Dinger im Jahr [...]

  23. Philip Johann Says:

    Ich habe auch ein Moleskine-Buch.

    Seit zwei Jahren.

    Seit zwei Jahren habe ich Alpträume und wache morgens schweißgebadet und leichenblass auf.

    Ich werde die nächsten Tage in meinen Bücherladen gehen und mir ein billiges Scheiß-Notizbuch für 99 Cent kaufen.

    Dann habe ich meinen Frieden.

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