Zwischen Leben und Sex: Trost. Los! _helden:remix

Evolution of Sex

Du kommst auf die Welt. Du wächst. Du bist ein kleiner Junge.

Du weißt, Mädchen sind doof und der, der am schnellsten rennen kann ist der Chef.

Du bist 10, und du wächst. Du spielst, du rubbelst, du onanierst. Du wichst.

Du wächst und wichst und wünschst dir ein Mädchen, nein - eine Frau.

Du verliebst dich in ein Mädchen, das aussieht wie eine Frau.

Dem Mädchen gehst du aus dem Weg.

Mädchen im allgemeinen gehst du lieber aus dem Weg. Der, der jetzt schon eine hatte, ist der Chef.

Aber du schreibst. Du schreibst Briefe. An das Mädchen.

Und sie sagt dir nett und freundlich, dass du sie lieber in Ruhe lassen sollst.

Du kaufst dir einen Computer.

Und du redest mit einem Mädchen, das auch einen Computer gekauft hat.

Und ihr freundet euch an.

Und auf einmal, du dachtest schon du wirst wichsend sterben und bis mindestens 27 bei Mama wohnen.

Auf einmal hast du Sex.

Echten, reinen, klaren, ersten Sex. Wie ihn nur 17-jährige haben können.

Mit Vor- und Nachspiel und im Löffelchen und ihr nennt es “Ich hab dich lieb!”-Sex und du findest es toll, nur leider kommst du immer früh.

Und du hörst auf zu wachsen. Und du wichst für eine Weile nicht mehr.

Der, der jetzt das Mädchen hat, das mit 14 wie eine Frau aussah, ist der Chef.

Oralsex findest du gut. Du leckst auch gern.

Eines Tages verlässt dich das Mädchen mit dem Computer.

Es ist Weihnachten.

Und du heulst eine Woche lang und liest das Buch, dass sie dir noch geschenkt hat.

Und du suchst sofort Ersatz.

An Silvester gehst du ins Kino, mit einem Mädchen, das wie eine Frau aussieht, aber keinen Computer hat.

Du bringst sie nach Hause, nachdem du erzählt hast, was mit dir los ist.

Und du bekommst keinen Kuss, obwohl du davon träumst.

Du schreibst ihr einen Brief. Und bekommst Wochen später eine Antwort.

In der das Mädchen sagt, dass du in Ordnung bist, aber dich beruhigen sollst.

Du bist also in Ordnung und lebst damit.

Du wichst wieder und vielleicht wächst du sogar noch ein bisschen.

Du schließt die Schule ab und gehst in eine andere Stadt. Du tanzt. Du trinkst.

Du lernst Mädchen kennen die wie Frauen aussehen, du wünschst dir noch immer eine Frau.

Du trinkst. Du bist ein kleiner Junge. Und die Mädchen werden langsam Frauen.

Und sie behandeln dich wie einen kleinen Jungen. Aber du bist in Ordnung.

Du hast Sex, von Zeit zu Zeit. Mit Mädchen die du deine Freundin nennst.

Im Löffelchen und du leckst immer noch gern.

Du schreibst E-Mails an erwachsen werdende Mädchen, die du zu deiner Freundin in spe auserkoren hast.

Du machst eine Weile so weiter. Bist auch mal verliebt, aber wirst beschissen und dann,

irgendwann, beschließt du ein Arschloch zu sein und keine Freundin mehr haben zu wollen.

Und du brichst ein paar Herzen und hast unglaubliche Ficks in Fahrstühlen, Darkrooms und auf Parkbänken.

Du vergisst die Gesichter schnell, denn meistens siehst du nur ihre Ärsche, die aussehen wie umgedrehte Herzen, während du ihnen deinen Namen von hinten einstanzt.

Die Frauen schreiben dir Briefe die du unbeantwortet lässt und du denkst du wärst Chef.

Solange bis du bemerkst, dass du mal wieder jemanden kennen lernen willst.

Dir geht das Geficke auf die Nüsse, die Heimlichtuerei, die Tränen, die Briefe, die Sprüche derer die smart genug sind um zu wissen, dass du ein Raubtier bist.

Das umgedrehte Herz drehst du einfach zurück und machst es auf und mit 27 verliebst du dich in eine Frau, die so dermaßen normal ist, dass es fast weh tut.

Ihr habt Sex, so wie früher, mit Vor- und Nachspiel und im Löffelchen.

Es ist schön, du hast endlich Zeit dein Studium zu beenden und gebügelte Wäsche ist echt okay!

Du wirst 30. Und auf einmal hast du einen Sohn. Drei Jahre ist er schon alt und er heißt Lukas.

Du darfst Lukas jedes Wochenende besuchen und dann geht ihr auf den Spielplatz.

Lukas Mama hat herausgefunden, dass du mit ihrer besten Freundin und einem schwulen Arbeitskollegen einen Dreier hattest und obwohl du ihr schwörst, die Schwuchtel nicht ein einziges mal angepackt zu haben, hat sich von Ihrer Freundin und dir für immer abgewendet.

Als du Lukas deiner neuen Freundin zeigst, ist sie entzückt. Aber Lukas’ Mama wird sie nie.

Beim Sex denkst du an früher. Die, die in ihren Zwanzigern studiert und nicht gefickt haben, sind jetzt Chef.

Du wünschst dir eine Frau, die wie ein Mädchen aussieht.

Du gehst ins Fitnessstudio, trainierst, bildest dir ein, die Mädchen an der Bar würden dich bewundernd anblicken.

Aber die Mädchen von heute haben Demaskierung als Schulfach ab der dritten Klasse und ihr Blick ist nicht ab- sondern gering schätzend.

Du wirst 40, Lukas ist jetzt 13 und hat seine erste Freundin. Süß, denkst du, und erwischst dich beim Gedanken daran, ob du dir nicht das Foto klauen sollst für nachher.

Du hast wieder angefangen zu wichsen. Es dauert länger als früher und du musst aufpassen, dass deine Freundin, die nicht mehr Lukas Mama wird und die du vor 2 Jahren in Ermangelung einer Alternative geheiratet hast, dich nicht dabei erwischt.

Du lernst wie gut Handwäsche duftet.

Du gehst ab und zu fremd, der Sex ist schlecht, Heilpraktikerinnen die sich im selben Internetchat wie du angemeldet haben und schlecht blasen.

Du schämst dich manchmal vor dir selber. Mit 45 lässt du dich scheiden. Grund: Midlifecrisis. Behauptest du.

Ihr wart in Swingerclubs und habt Pornos ausprobiert. Es half alles nichts.

Lukas findet’s cool, er wird 18, ihr fliegt für eine Woche nach Rom, du zeigst mal was du als Papa so alles kannst.

Lukas hat ein Mädchen, sie findet dich auch cool. Sie sieht aus wie eine Frau und du hoffst Lukas wird mal Chef.

Du wünschst dir eine Frau, einfach nur eine Frau. Sex ist dir egal. Den bekommst du von Heilpraktikerinnen.

Du suchst dir einen neuen Job. Deine Chefin ist das Mädchen, das mit 14 wie eine Frau aussah.

Sie hat in ihren Zwanzigern nicht gefickt, sie hat promoviert und ist etwas ausgehungert.

Sie erinnert sich an deinen Liebesbrief, ihr geht essen, sie ist noch mal 16 und du noch mal 25 und ein Arschloch und besorgst es ihr tüchtig.

Sie freut sich und weint danach ein bisschen. Du hast ein schlechtes Gewissen und schämst dich für das Arschloch und lässt dich in eine andere Abteilung versetzen um sie nicht mehr sehen zu müssen.

Du wächst ein bisschen.

Rufst sie nach einem halben Jahr noch mal an, sie ist traurig, dass du gegangen bist, aber sie will dich wieder sehen.

Ihr lasst es langsam angehen. Ihr seid beide 50 und habt 35 Jahre lang den Unterschied zwischen Liebe und Geilheit gelernt, und macht es zum ersten mal richtig.

Ihr seid glücklich, ab und zu habt ihr noch Kuschelorgien und du probierst Viagra gegen deine steigende Impotenz und kommst regelmäßig.

Lukas studiert und scheint ein braver Junge zu sein. Du hoffst er wird mal Chef.

Als du 52 bist besucht er dich am frühen Sonntag morgen, er sei grade in der Nähe gewesen und habe kaum geschlafen.

Seine Haare sind verstrubbelt, er riecht nach Rauch, Bier und Sex, er setzt sich und sagt: „Ich hab ne Firma gegründet und … mein Mädchen ist schwanger.“

Du schweigst. Du weißt die Welt bleibt wie sie ist, du nimmst deinen Laptop und buchst mit Lukas eine Reise nach Rom.

In der Nacht weinst du ein wenig und schmiegst dich an deine Frau.

Endlich weißt du, was Liebe ist.

[flash]http://www.epoet.de/spokenwordberlin/mp3/sxpoetry_06/sxpoetry_06_paul_evolution_of_sex.mp3[/flash]

23 Responses to “Evolution of Sex”

  1. sssunny Says:

    großartig? großartig!

  2. Leowee Says:

    Das hab ich ja schon im Bastard gesagt.

  3. Malte Welding Says:

    @ Leowee
    Das kann man ruhig wiederholen.
    @ ssunny
    !!

  4. Paul Hofmann Says:

    Die Live-Aufnahme aus dem bastard gibts hier:

    http://www.epoet.de/spokenwordberlin/mp3/sxpoetry_06/sxpoetry_06_paul_evolution_of_sex.mp3

  5. Mathias Richel Says:

    Habe die mp3 als flash-player unter den Text gesetzt.

  6. Peh Says:

    !

  7. Keule Says:

    Wunderbar. Ich habe auch ein bisschen geweint und bin etwas gewachsen. Nur wichsen wollte ich nicht. Bitte mehr. Ich lese das so gerne.

  8. MC Winkel Says:

    Sehr geil.
    Sehr.
    Geil.

  9. Der Lieblingsfotograf Says:

    bei dir auch noch einmal: n1.

  10. Der Lieblingsfotograf Says:

    übrigens, “du bist produkt” fand ich verdammt kewl.

  11. Leowee Says:

    wo steht denn das?

  12. Der Lieblingsfotograf Says:

    entweder der text wurde verändert oder es kommt in der sound-datei vor.

  13. Mathias Richel Says:

    Nur in der Audio-Version.

  14. dan Says:

    Ich bin schlicht und einfach begeistert…

  15. hula Says:

    Hula und max angst
    ! !

  16. bob’s blog » Evolution of Sex Says:

    [...] Ein netter Beitrag aus der neuen bodenständigkeit der mir sehr, sehr gut gefällt. Copyright liegt bei der neuen bodenständigkeit! [...]

  17. mike Says:

    Uff.

  18. just4ikarus Says:

    Puh. Wow. Großartig!

  19. Miriam Says:

    gemein. mag ich.

  20. Name_Less Says:

    Wow…. Krass…
    Hab letzte Nacht (kannst raten warum ;-)) kaum geschlafen aber das hier haut mich jetzt ganz um….

    Sprichst mir aus der Seele

  21. d00xgk05 Says:

    40k

    http://002evolves.blogspot.com

  22. oet81k Says:

    zfrlvnuo

    http://002evolves.blogspot.com

  23. a5st2sxm Says:

    psv54

    http://002evolves.blogspot.com

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