1990/2

Oktober 26th, 2006

Hanni Klum war nicht dumm. Genauer gesagt: Sie war Klassenbeste. Und mit der gleichen Zielstrebigkeit, mit der sie gelernt hatte, die transitiven von den intransitiven Verben der französischen Sprache zu unterscheiden, machte sie sich an die Erforschung des männlichen Schwellkörpers. Ich war da nur hingenommenes Beiwerk. Hätte es Penisse bei Tengelmann gegeben, Hanni Klum hätte sich einen Zehnerpack gekauft, die Losegliedsammlung sortiert und die Essenzen der Männlichkeit nacheinander ausprobiert.Gab es aber nicht. Und Hanni Klum war Pragmatikerin.

Weiterlesen »

Malte Welding



1990

Oktober 25th, 2006

Am Silvesterabend 1989 fasste ich einen gewichtigen Beschluss. Ich würde 1990 ficken. Richtig ficken. Nun hätte ich mir an jenem Abend auch vornehmen können, an den Olympischen Spielen 1994 im Bodenturnen teilzunehmen, es wäre nicht unwahrscheinlicher gewesen. Denn Frauen gab es in meiner Welt nicht. Nun gut, da waren die Mädchen aus meiner Klasse. Eine von ihnen hatte mir sogar schon einmal einen runtergeholt. Dreimal. Hanni Klum.

Weiterlesen »

Malte Welding



Undine geht. Und Recht hat sie.

Oktober 23rd, 2006

Professor Kropcek zitterte vor Erregung. “Und dann hat dieses junge Mädchen ihre Sachen gepackt, ist in den Zug eingestiegen und hat dann, am Ziel angekommen, den Isenheimer Altar gezeichnet.” Er sprach Isenheimer Altar aus wie ich Jessica Alba oder Mousse au Chocolat. Das ganze Bachmann-Seminar schwieg ergriffen.

Weiterlesen »

Malte Welding



Das kleine Tier auf dem Boden des Meeres, das nur Scheiße essen kann

Oktober 18th, 2006

Stellt euch ein kleines Tier auf dem Boden des Meeres vor, das nur Scheiße essen kann. Das Tierchen muss die Scheiße immerzu in sich hinein stopfen, weil es über keine Darmmuskulatur verfügt, so dass die neu hinzukommende Scheiße fortwährend dabei helfen muss, die eigene Scheiße aus dem Darm zu pressen. Nun ist es durch eine Laune der Natur so, dass Scheiße für das Tierchen nicht schmeckt wie Milkaschokolade oder wie Filet Mignon.

Weiterlesen »

Malte Welding



Kunststoff

Oktober 16th, 2006

Mein bevorzugter Frittenhersteller vertrieb gestern zwei Kunden aus seinem Laden.

“Weisst du, was Verpiss Dich auf Deutsch heisst? Abstand!”

Diese seltsam anmutende Frage, verbunden mit sofort folgender Selbstbeantwortung, wiederholte er sieben - bis achtmal. Man kann besser battlen.

Ich bin Kunststoff - du bist nur Plastik.

Ich bin die frohe Botschaft - du bist das gebrochene Brot.

Ich bin exclusiv - du bist all inclusive.

Ich bin Krieg der Sterne - du bist Schweine im Weltall.

Ich bin Dschungelkrieger - du bist Lausitzcamper.

Ich pack die Badehose ein - du nimmst dein kleines Schwesterlein.

Weiterlesen »

Malte Welding



Keine weiteren Fragen

Oktober 15th, 2006

Im St. Nikolaus Hospital zu Eupen pinkelte ich meinem hocherfreuten Vater einen satten, gelben Strahl auf die Brust. In jedem anderen Kontext würde dieser Satz Legionen von Psychotherapeuten beschäftigen, es war jedoch die zweite Handlung, die ich auf Erden vollbrachte, direkt nach meinem ersten Schrei und damit ist dieser Satz nicht nur Beleg für meinen von Anfang an gut funktionierenden Penis, sondern auch ein wenig entzückend, denn: Unter dem Stichwort Wonneproppen prangt im Pschyrembel ein Babyfoto von mir.

Eine Kindheit im ländlichen Ost-Belgien gebiert natürlich ihre eigenen Mythen. Neben der Geschichte unserer megalomanen Dackeldame und ihrem Angriff auf ein Rennpferd war die am häufigsten tradierte Familienlegende die der beiden Ostbelgierinnen, die im Bus aus Aachen heimkehrten. Die eine bewunderte ihre Fingernägel, die in einem Lila gehalten waren, dessen Wirkung auf die Netzhaut der von Napalm auf Orangenbäume gleichkam. Die andere schaute zwischen den Nägeln und ihrer Trägerin hin und her und stellte dann die Frage, die sich auf ihrem Gesicht schon längst enttarnt hatte: “Watt jefällt disch denn daran?” Ohne einen Moment des Zögerns kam die Antwort, inbrünstig, liebevoll, schwärmerisch: “De Fäärvv!”

Wann immer meine Eltern mir im Verlauf meiner Karriere als Kind eine Erklärung schuldig waren: Vater, warum Tennis und nicht Fußball? Mutter, warum ein praktischer Volvo und nicht ein schnittiger Lamborghini? Eltern als Gesamtpaket, warum ein Waisenkind aus Guatemala und nicht Geld für mehr Playmobil kein Geschwisterchen? Es konnte nur eine Antwort geben. De Fäärvv.

Malte Welding



Robin: Dr. Lenz Schnöckelborg

Oktober 8th, 2006

Mein erstes Semester in Bonn verlief zu meiner vollsten Zufriedenheit. Ich hatte den ersten Dan im Nichtstun erworben, der kleine BGB und der kleine Straf trudelten dank kooperativer Kommilitoninnen wie von selbst ein. Einige Eingeborene verehrten mich als Gott, weil ich ihnen Kräuter von nie gekannter Qualität mitbrachte. Und doch - etwas fehlte.

“Ich will, dass jemand bei mir im Haus wohnt, der deutschen HipHop macht und quarzt”, sprach ich in die Runde meines Volkes vom Stamme Kiff. Die Eingeborenen starrten mit hohlen roten Augen vor sich hin, denn die Kräuter hatten eine Wirkung wie der böse Zauber in “Indiana Jones und der Tempel des Todes”.

Weiterlesen »

Malte Welding



Exfreundinnen

Oktober 8th, 2006

Die wenigsten Exfreundinnen haben den Anstand, mit Ablauf der Beziehung tot umzufallen, ein bescheidenes Kloster aufzusuchen oder sich der lesbischen Liebe hinzugeben. Stattdessen atmen sie stur weiter, werden Dr. rer.pol. oder gar jur., suchen Glück und finden es in einer viel schöneren Wohnung als ich eine habe. Mit einem Mann, der einfach nur beschissen aussieht, was demütigend ist, oder einem Mann, der phantastisch aussieht, was noch demütigender ist. Aus Rache werden aus den süßen Naivlingen von gestern selbstbewusste Frauen, die mehr verdienen als ich, mehr Stil haben als ich und sich zielsicherer epilieren. Zurück bleibt ein Fragezeichen von einem Mann. Dessen Liebe nie so groß war wie jetzt.

Malte Welding



Sozialporno 2: Blasen auf dem Zahnfleisch

Oktober 6th, 2006

Ich kann es mir gar nicht leisten, arm zu sein.

Denn dann wäre alles teurer, auf jede Rechnung kämen noch die Inkassokosten drauf und die Videotexter von RTL 2 würden mich auch aussaugen wollen: Handy trotz Schufa. Hängematte gibt auf Dauer Schmerzen im Kreuz, mein Leid wäre in Golgatha nicht getilgt worden, sowenig wie mein Verbraucherkredit und der Gerichtsvollzieher fände schon längst alleine raus. Schwarzfahren auch verdammt nochmal teurer als Ticket kaufen.

Schwarzfahren: 40 €. Gerichtstermin: 200 €. Jung sterben: Unbezahlbar.

Aber mein Feuer ist versichert und auch mein Auto und mein Hausrat. Mein Herz schlägt regelmäßig und mein Konto füllt sich, wenn ich wegschau. Und seit die Nutten keine neuen Zähne mehr bekommen: Ratet mal, was seitdem viel besser flutscht.

Malte Welding



Statistik